Zauber der Bescheidenheit

Zauber der Bescheidenheit

Zauber der Bescheidenheit

Sokrates soll einmal gesagt haben, er wisse, dass er nicht wisse.

Er hatte schlichtweg die unglaublich überirdische Haltung Ungeprüftes nicht als sicheres Wissen zu akzeptieren. In unserer heutigen Gesellschaft schier unvorstellbar. Nun zeichnete sich Sokrates aber auch dadurch aus, überdurchschnittlich gebildet, weise und wohlhabend zu sein. Warum er trotzdem oder vielleicht gerade deswegen so große Bescheidenheit an den Tag legte und welche Vorteile die Tugend „Bescheidenheit“ in der Praxis bringt, soll dieser Beitrag im Folgenden beleuchten.

Bescheidenheit ist eine Lebensphilosophie

In der Regel sind sich bescheidene Menschen ihrer Bescheidenheit gar nicht bewusst, da es tatsächlich gar nicht bescheiden ist, von sich selbst zu behaupten, bescheiden zu sein. Trotzdem muss das nicht heißen, dass bescheidene Menschen sich ihren Mitmenschen gegenüber unterwürfig verhalten. Im Gegenteil: Bescheidene Zeitgenossen verhalten sich vor allem in Situationen zurückhaltend, in denen ihr Pendant – der „Narzisst“ – das Heft des Handels an sich reißt und dadurch organisch gewachsene Gruppenzugehörigkeit zerstört. In solchen Situationen zeichnen sich bescheidene Menschen durch besondere Klugheit und umsichtiges Wirken im Hintergrund aus, indem sie anderen helfen, sich selbst zu helfen, um sich so aus den Fängen der Überheblichen zu befreien. Daher sind bescheidene Personen bei ihren Mitmenschen sehr beliebt und werden als fürsorglich, intelligent und vorausschauend wahrgenommen, ohne sich dabei in den Vordergrund zu spielen.

Denn Bescheidenheit ist eine Lebensphilosophie, die davon ausgeht, dass ein Mensch allein gar nicht alles wissen bzw. können kann. Bereits der römische Dichter Gaius Lucilius wusste (180-103 v Chr.): „Wir können alle nicht alles.“ – Dies spricht dafür, dass Führungspersönlichkeiten im Normalfall verinnerlicht hatten, dass sie auf andere Menschen angewiesen waren, wenn sie erfolgreich sein wollten. Wie handhaben es Führungskräfte von heute?

Überheblichkeit als Mangel

Überhebliche, arrogante Personen leiden stets an einem Mangel. Dieser kommt mitunter durch lautes, egozentrisches und abwertendes Verhalten anderen gegenüber zum Ausdruck. Wer ständig von sich spricht, dreht sich gedanklich ausschließlich um sich selbst. Durch diese Egozentrik spürt der Arrogante immerfort einen Mangel, der sogar in dem Maße zunimmt, wie er um sich selbst kreist.

Diese scheinbare Paradoxie liegt darin begründet, dass wir Menschen von Natur aus soziale Wesen sind, denen es einfach nicht genügt, sich allein mit sich selbst zu beschäftigen. Arrogante Mitmenschen leiden sehr darunter, dass ihre Welt so beengt ist, dass nur sie selbst dort Platz finden. Doch wissen sie keinen anderen Ausweg als immer mehr Außenwelt auszublenden. Geholfen wäre ihnen sofort, wenn sie erkennen könnten, dass der Planet Erde riesengroß ist und jeden Erdenbürger zu seiner Erkundung einlädt.

Leider können nur wenige Egozentriker diesen Teufelskreis der Selbstbespiegelung durchbrechen und zu einem neuen „Mindset“ gelangen, welches ihr eigenes Leben in ein Beziehungsgeflecht zu vielen anderen Menschen verwebt.

Mehr Gelassenheit durch Bescheidenheit

Wer sich selbst realistisch einschätzen kann und daher in aller Bescheidenheit weiß, was er nicht weiß und was andere Menschen möglicherweise besser können, ist Kritik gegenüber nicht nur offen, sondern durch Häme und bösartige Kommentare in den meisten Fällen nicht so leicht zu beeindrucken.

1. Konstruktive Kritik wirkt auf bescheidene Persönlichkeiten sogar motivierend, weil diese gern und viel lernen und Freude daran haben, ihren Wissensschatz zu erweitern. Bescheidene Mitmenschen sind aufgeschlossener für Neuerungen, wenn sie ein Mehr an Wissen bewerkstelligen als arrogante Charaktere; Überheblichkeit resultiert vornehmlich aus der Tatsache, dass jemand sein Können überschätzt und daher eine enorme Enttäuschung zu verarbeiten hat, wenn er bemerkt, dass er falsch lag. Bescheidene Menschen hingegen halten es für natürlich, dass sie etwas nicht wissen und genießen es, neue Erfahrungen zu machen und ihren Erkenntnisstand zu erweitern.

2. Mobbing und Häme sind zwar für bescheidene Personen ebenso unangenehm wie für alle anderen Menschen, doch verfügen sie solchen Stresssituationen gegenüber häufig über eine robustere Resilienz. Sie wissen einfach besser über sich selbst und ihre Beziehungen zu ihren Kollegen und Freunden Bescheid. Das daraus erwachsene Selbstbewusstsein ist nicht zu verwechseln mit einstudierter oder antrainierter Selbstsicherheit, da diese äußerst instabil ist und sich genau in dem Moment verflüchtigt, in dem sie am dringendsten benötigt wird, nämlich dann, wenn die eigene Unzulänglichkeit zutage tritt.

Bescheidenheit führt also dazu, dass auch in Stress- und Angstsituationen Ruhe und Gelassenheit beibehalten werden können, da Personen mit dieser Charaktereigenschaft eine innere Balance zwischen Außenwahrnehmung und eigener Perspektive auf Welt und Mitmenschen entwickelt haben. Dies zeugt von einer höheren geistigen Reife. Vor allem diese geistige Reife versetzt die weniger prätentiösen Menschen in die Lage, für besondere und hochwertige Leistungen, die sie von anderen abheben, keinerlei Sonderbehandlung zu erwarten. Mehrere wissenschaftliche Studien wollen gar herausgefunden haben, dass Bescheidene ihre hervorragenden Leistungen gar nicht für eine Besonderheit halten. Im Gegenteil empfinden sie es als Selbstverständlichkeit, dass sie das leisten, was ihnen möglich ist.

Bescheidenheit als Grundstein für andere Tugenden

Bescheidenheit zeugt also nicht nur von einem höheren Reifegrad der Persönlichkeit, sondern legt den Grundstein für andere positiven Eigenschaften. Letztendlich erfordert Bescheidenheit zuallererst Selbstbeherrschung, d.h. ein bescheidener Mensch wird weder geizig, gierig, neidisch oder jähzornig handeln. Diese Selbstbeherrschung ist das Fundament jeder florierenden Gemeinschaft, weil sich Menschen in der Gegenwart von gütigen Persönlichkeiten wohler fühlen als unter unbeherrschten Quälgeistern, welche nur an ihren eigenen Vorteil denken. Dass das hieraus resultierende Vertrauen gesellschaftlichen Zusammenhalt überhaupt erst ermöglicht, liegt auf der Hand.

Daraus folgt, dass viele Personen in herausragenden Positionen oft sehr bescheiden auftreten, da sie es eben diesem Charakterzug zu verdanken haben, die gehobene Stellung bekleiden zu dürfen. Hochmütige Persönlichkeiten dagegen haben es oft schwer aufzusteigen, weil sie es nicht nur bei Kollegen, sondern oftmals auch bei den Vorgesetzten mit ihrer Arroganz sehr schwer haben. Überheblichkeit wirkt schwächlich und wenig vertrauenerweckend.

Bescheidene Menschen sind nicht korrumpierbar

Im Gegensatz zu hochmütigen und eingebildeten Zeitgenossen, die in ihrer Gier nach Ruhm und Anerkennung immer wieder in Fettnäpfchen und selbstgelegte Fallen tappen, gehen bescheidene Menschen mit Verantwortung sehr behutsam um. Bei wichtigen Entscheidungen denken sie weniger an sich selbst und die eigene Karriere bzw. den eigenen Geldbeutel, sondern haben in erster Linie die Konsequenzen ihres Handelns für diejenigen im Blick, denen sie ihre Machtposition zu verdanken haben. Sie fühlen sich als Vertreter der Interessen einer ganzen Gemeinschaft und berücksichtigen Folgen ihrer Entscheidungen auch für weniger erfolgreiche oder finanziell schlecht ausgestattete Mitmenschen.

Aus diesem Grund sind bescheidene Menschen fast immer nicht empfänglich für Korruption. Diese käme nur ihnen selbst zugute, was bedeuten würde, dass sie nicht bescheiden wären. In der Regel ist Bescheidenheit also eine Eigenschaft, die besonders unter erfolgreichen Führungspersönlichkeiten verbreitetet ist, während korrupte Institutionen von arroganten und überheblichen Zeitgenossen geleitet werden.

Für das Gedeihen eines Gemeinwesens ist es daher von großer Bedeutung, dass aus ihm vornehmlich bescheidene Menschen hervorgehen. Wer an Bildung, Ausbildung und Fürsorge in jungen Jahren spart, hat es später nicht selten mit unleidlichen und arroganten Erwachsenen zutun. Kinder und Jugendliche brauchen Aufmerksamkeit und Zuwendung, um ohne Druck eine ausgeglichene Persönlichkeit herausbilden zu können. Wer zu viel Druck ausübt, zu viel erwartet oder sich gar nicht für junge Menschen interessiert, dem wird es nicht gelingen, ein gesundes Selbstwertgefühl zu vermitteln. Eben dieses ausgewogene Selbstwertgefühl bildet allerdings die Basis für Bescheidenheit.

Fazit

Stolz und Überheblichkeit sind wahrscheinlich die häufigsten Gründe für das Scheitern sowohl von privaten Beziehungen als auch beruflichen Ambitionen. Menschen spüren, ob jemand Interesse daran hat, ein Projekt oder eine Beziehung zu nähren und gedeihen zu lassen oder ob er in ausbeuterischer und eigennütziger Mission unterwegs ist. Grundsätzlich können arrogante Persönlichkeiten nicht erfolgreich sein, da sie sich immer selbst im Wege stehen. Darin liegt eine gewisse Ironie, die die Hochmütigen leider nicht erkennen: Ihr eigener verbissener Egoismus bringt nur sie selbst, nicht ihre Mitmenschen zu Fall.

Bescheidene Menschen sind daher nicht nur erfolgreich, sondern immer beliebte und verehrte Persönlichkeiten.

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