Wenn Scham einer WC Türe im ICE machtlos ausgeliefert ist.

Wenn Scham einer WC Türe im ICE machtlos ausgeliefert ist.

Ich war vor ein paar Tagen geschäftlich mit der Bahn auf dem Weg nach Erfurt. Mein Ziel war das kleine Örtchen Bachra, im Nordosten des Landkreises Sömmerda im Norden von Thüringen. Dort wohnt ein alter Freund, mit dem ich ab und an gemeinsam technologische Projekte umsetze.  Auf dem Weg dorthin musste ich im Bahnhof „Frankfurt Flughafen“ umsteigen.

Kaum in die Bahn gehüpft entschied ich mich für den kurzen Gang zur Toilette bevor ich es mir auf meinem Sitz bequem machen wollte. Mein Daumen befahl dem grün leuchtenden Knopf die WC Türe zu öffnen. Es surrte kurz und die große gebogene Tür schob sich automatisch auf. Ali Baba hätte seine Freude an dieser magisch bewegten Pforte gehabt. Nicht hingegen die Dame mit heruntergelassener Hose, die just in diesem Moment im Begriff war ihren warmen Hintern auf die kalte Klobrille zu setzen. Die Jacke noch an und in der linken Hand zerknülltes weißes Papier. Vermutlich ein Taschentuch.

Unsere Blicke trafen sich. Nur kurz. Ich sagte „Au wei“, sie rief „Nein, nein, nein“ und versuchte hockend den Schließknopf am Türrahmen zu betätigen.

Ich war erschrocken und ergriff völlig überfordert nach der Türklinke und versuchte  verzweifelt mit beiden Händen die Tür zurückzuziehen. Keine Chance. Langsam und kräftig führte die Tür den Erstbefehl aus. Wie ein Bühnenvorhang, der dem Publikum ein faszinierendes Spektakel preis gab, entblößte sich die Szenerie. Ich rückte abrupt meinen Rucksack zurecht und ging dann einfach weiter.

Mehr konnte ich nicht für sie tun. Hätte sie doch bloß die Tür verriegelt.

Allerdings komme ich nicht umhin mir ab und an Gedanken darüber machen zu müssen, welch Anblick das für sie gewesen sein muss. Ein bärtiger Mann mit Rucksack auf dem Rücken steht überraschend im Türrahmen, während sie einer intimen Angelegenheit nachzugehen gedachte.

Ich hoffe sie hat es unbeschadet überstanden und lacht mit ihren Freundinnen darüber. Gut, dass wir in dem Moment anonyme Bahnreisende waren.

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