Vereinfachung komplizierter Online-Marketing-Tools als Chance für die KMU

Vereinfachung komplizierter Online-Marketing-Tools als Chance für die KMU

Simplifzierung

Komplexität und Vereinfachung

Der ehemalige Präsident des Digitalverbands Bitkom Thorsten Dirks soll bei einer Veranstaltung der SZ einmal gesagt haben: „Wenn Sie einen Scheißprozess digitalisieren, dann haben Sie einen scheiß digitalisierten Prozess.“ Damit beschrieb er ein Grundproblem der gesamten Digitalisierungsoffensive. Da ich in erster Linie die Brille für die Online-Marketing-Branche trage, ist mein Blickwinkel daher primär auf die Tools dieser Branche gerichtet. Dennoch gelten meine folgenden Gedankengänge sicherlich auch für viele andere Geschäftsbereiche.

Komplexität führt zu Unverständnis

Man sollte beim Wort „Komplexität“ nicht sofort an unverständliche und digitale Lösungsansätze denken. „Komplexität“ ist nicht dasselbe wie „kompliziert“. Komplexität kann etwas ganz Einfaches sein, das allerdings große Datenmengen generiert. Ein gutes Beispiel wäre in diesem Fall das altmodische Telefonbuch. Tausende Seiten dick, also komplex, aber sehr einfach zu benutzen, daher nicht kompliziert.

Die Verwechslung von „Komplexität“ mit „Kompliziertheit“ führt daher immer wieder dazu, dass sich Menschen von komplexen Lösungsansätzen abschrecken lassen, da sie diese für kompliziert halten. Dabei sollten insbesondere digitale Strategien genau diese Komplexität eigentlich begrenzen, indem sie, um mit Herrn Dirks zu sprechen, „Scheißprozesse“ identifizieren und nicht digitalisieren.

Denn hat man erst einmal einen solchen „Scheißprozess“ digitalisiert, wird es kompliziert. Man hat also nicht nur Komplexität erhöht, indem man etwas Schlechtes tradiert hat, anstatt es zu eliminieren, sondern man kann unter Umständen dieses Schlechte gar nicht mehr aus dem Prozess entfernen, ohne den gesamten Prozess zu gefährden.

Was bedeutet diese Erkenntnis nun für das Online-Marketing?

Online-Marketing-Tools sind dazu gedacht, Werbekampagnen zu automatisieren. Leider setzen alle Plattformen immer Kenntnisse voraus, auf die viele Kleinunternehmen und auch oft mittelgroße Unternehmen gar nicht zurückgreifen können. Dadurch wird das Gegenteil von dem erreicht, was diese Tools eigentlich bezwecken wollten. Anstatt Komplexität zu reduzieren, wurde Kompliziertheit geschaffen. Dieses Problem schreckt natürlich viele Unternehmer ab und führt letztendlich dazu, dass diese gar nicht oder kaum noch auf Online-Marketing-Tools setzen.

Dieser Verzicht hat allerdings zur Folge, dass eine Wettbewerbsverzerrung eintritt, die eigentlich nicht gewollt sein kann, wenn man eine lebendige und diversifizierte lokale Wirtschaft erhalten bzw. erschaffen möchte. Denn Wettbewerbsverzerrung bedeutet in diesem Fall ja nicht nur, dass kleinere Unternehmen im Netz nicht gefunden werden, sondern dass große Firmen vor allem deswegen wachsen, weil sie mehr Spielraum haben, in Fachpersonal für Online-Marketing zu investieren. Durch komplizierte Software entsteht also ein wirtschaftlicher Schaden.

Da dies weder im Interesse der Kunden noch der Unternehmen sein kann, werden über kurz oder lang Alternativen entstehen, die ihren Fokus darauf richten, sowohl Komplexität als auch den Grad an Kompliziertheit auf ein Maß zu reduzieren, das intuitiv und allgemeinverständlich ist. Aus der Not kann ein Geschäftsmodell entwickelt werden, das kleineren Betrieben dabei behilflich sein kann, ohne großen Aufwand effektives Online-Marketing umzusetzen. Daher bin ich fest davon überzeugt, dass wir mit meinem aktuellen Startup, der yeew GmbH, den richtigen Weg eingeschlagen haben, auch wenn dieser lang und steinig erscheint.

Was bedeutet Simplifizierung?

Simplifizierung heißt nicht, sich mit einer Sache nicht auseinandersetzen zu müssen. Das wird zwar immer gern so verstanden, so als ob man bestimmte Schritte einfach weglassen könnte, um schneller zu einem Ergebnis zu gelangen. Wer diesen Denkfehler begeht, wird im Endeffekt weder Effizienz noch Effektivität steigern. Das Durchlaufen von essenziellen Schritten innerhalb eines Prozesses kann manchmal einfach nicht abgekürzt werden, ohne an anderer Stelle neue Probleme zu schaffen.

Ein Ansatz, an Simplifizierung heranzugehen, besteht daher darin, sich genau zu überlegen, ob und wenn ja, welche Schritte auf dem Weg zu einer Lösung nötig sind. Häufig erfüllen einige Zwischenschritte keinerlei Zweck mehr in Zeiten der Digitalisierung. Diese dann aber trotzdem ins digitale Zeitalter „hinüberretten“ zu wollen, führt zu genau den „Scheißprozessen“, vor denen Dirks gewarnt hat. Andererseits darf man es sich auch nicht allzu bequem machen, wenn man beispielsweise ein Automatisierungs-Tool verwendet. Gerade diese eigentlich zur Simplifizierung gedachten Werkzeuge bergen nämlich die Gefahr, Fehler zu machen, wenn der Zweck der Automatisierung nicht im Voraus durchdacht wurde. Eine gute Planung und eine genaue Definition des Zweckes sind also unbedingt erforderlich, will man erfolgreiche Simplifizierung praktizieren.

Vereinfachung darf also nicht dazu führen, dass Prozesse durch fehlende Schritte so gestört werden, dass sie nicht mehr ausgeführt werden können. Sonst schafft man anstelle von Komplexität Kompliziertheit, die nicht mehr zu bändigen ist.

Eine andere Auffassung von Simplifizierung besteht darin, Abläufe erst einmal zu verstehen, bevor man sie verändert. Dazu muss man Systeme ganzheitlich nachvollziehen und überlegen, warum ausgerechnet an dieser bestimmten Stellschraube gedreht werden soll. Man betrachtet also nicht einzelne Schritte, die man anschließend für nötig oder überflüssig erklärt, sondern man fragt nach der grundsätzlichen Zielsetzung eines Ablaufs. Das Hinterfragen bezieht sich in diesem Fall auf die Erfassung dessen, was eigentlich erforderlich ist, um zu einem gewünschten Ziel zu kommen.

Manager sprechen in dieser Hinsicht von einem systemorientierten Ansatz, der wesentlich dazu beiträgt, den unbedingt nötigen Grad an Komplexität zu definieren, um diesen eindeutig von unnützer Kompliziertheit abzugrenzen.

FAZIT

Es ist also unbedingt notwendig, eine Unterscheidung zwischen „Komplexität“ und „Kompliziertheit“ vorzunehmen. Dabei gilt es zu berücksichtigen, dass Komplexität nicht notwendigerweise kompliziert und Kompliziertheit kein Resultat von Komplexität ist, sondern überwiegend als Folge von Missverständnissen und schlechter Organisation auftritt. Wer einen Überblick über seine Prozesse behalten möchte, muss Ziele und Zwecke definieren, bevor er handelt. Das gilt sowohl für die Anwendung von Online-Marketing-Tools als auch für alle anderen Entscheidungen, die ein Unternehmen zu treffen hat.

Insbesondere kleinere und mittlere Betriebe können es sich häufig gar nicht leisten, zusätzliches Personal einzustellen, welches die Online-Marketing-Kampagnen betreut und gestaltet. Daher ist Simplifizierung auf diesem Gebiet nicht nur eine Herausforderung, sondern sollte als eigenständiges Geschäftsmodell behandelt werden. Zukünftige Start-ups könnten hier eine Chance wittern, sich durch transparente und leicht zu steuernde Marketing-Tools für KMU eine Marktlücke zu erobern. Hiervon würde nicht nur das Start-up profitieren, sondern auch die lokale Wirtschaft, die aufgrund zu großer Komplexität bei Automatisierung und Digitalisierung bereits jetzt unter Wettbewerbsverzerrung leidet. Simplifizierung an dieser Stelle könnte also zu einer lebendigeren regionalen Wirtschaft führen.

Besonderes Augenmerk sollte man dabei auf den Zweck von Simplifizierung richten. Wer an dieser Stelle nicht darauf achtet, welches Ziel mit der Vereinfachung erreicht werden soll, kann schnell die Übersicht verlieren und verkompliziert seine Prozesse, anstatt ihre Komplexität zu reduzieren. Bevor Vereinfachung realisiert werden kann, braucht es also eine ganzheitliche Vorstellung von der Zielsetzung des Unternehmens und der Umsetzung dieser Ziele. Wer diese entscheidenden Schritte nicht aus dem Auge verliert, wird effektive Strategien zur Umsetzung von Simplifizierung entwickeln können – nicht nur im Bereich von Online-Marketing. Profitieren werden in jedem Fall nicht nur die Entwickler von Lösungen, sondern vor allem regionale Wirtschaftsräume.

Wir haben die schwierige Zeit in 2020 für uns genutzt, um an einer Vereinfachung der Online-Werbung für kleine und mittelständische Unternehmen zu arbeiten. Unser Tool wird zunächst vermutlich belächelt werden und unser Weg sicherlich lang und beschwerlich. Aber wir sehen in unserem Vorhaben eine große Chance.

Wir starten offiziell mit unserer Plattform www.yeew.de im März und dann wird es sich zeigen.

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Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Eddy

    “Zuerst lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du!” hat Nicholas Klein mal gesagt (und nicht Mahatma Gandhi, wie immer zitiert wird). Insofern kann ich nur sagen: lass die Leute lachen, und lächle freundlich zurück. 😉

    Ich bin gespannt auf den Start und werde gern einer der ersten Kunden sein! Meldest du dich?

  2. Herzlichen Dank für dein Feedback Eddy! Selbstverständlich melde ich mich bei dir! Sehr gerne sogar! Grüße Josh

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