Personal Branding Overload

Personal Branding Overload

Personal Branding Overload

Personal Branding ist zu einem Massenphänomen der Konformität geworden

Sich als ein Individuum darzustellen, das sich möglichst grundlegend von anderen Individuen unterscheidet, ist ein sehr menschliches Bedürfnis. Ebenso der Wunsch nach Anerkennung. Gegen beide Eigenschaften ist überhaupt nichts einzuwenden. Wir wären keine Menschen, wollten wir uns nicht voneinander unterscheiden und dafür Anerkennung und Zuspruch erfahren. Was aber, wenn das so hochgelobte Personal Branding so weit geht, dass die angestrebte Individualität durch blinde Nachahmung selbst zu einem Gegenstand von Konformismus verkommt?
 

Was bedeutet „Individualität“?

Im Zeitalter von Diversität, Buntheit und Individualität ist es nicht immer leicht, sich und die eigene Person oder Marke als etwas Besonderes zu präsentieren, welches sich von der Masse abhebt. Denn mittlerweile ist es ein Massenphänomen, anders sein zu wollen. Das lässt sich an einem populären Beispiel aus der Fernsehserie „Die Simpsons“ veranschaulichen. Als Draufgänger ist Bart Simpson zwar beim Fernsehpublikum beliebt, nicht aber bei seinen Lehrern. Unruhestifter zu sein beinhaltet, dass zuvor eine Ruhe existiert haben muss, die Bart imstande ist zu stören. Barts Individualität fußt auf der Konformität seiner Mitmenschen. Individualität wird erreicht, indem sich Bart von bewährten Handlungsmustern und Konventionen abwendet und seinen eigenen Vorlieben folgt. Für eine Episode lang („Bart, das innere Ich“) wird nun der Spieß umgedreht: Alle Einwohner Springfields werden zu Bart Simpson. Bart selbst kommt unter die Räder, niemand interessiert sich mehr für seine Witze – er wird nicht einmal mehr beachtet. Das führt nicht nur dazu, dass Bart verbittert, sondern auch zu einer generellen Maßlosigkeit, die das Erkennen von Qualität unmöglich macht. Die einst so angepriesene Diversität erzeugt massenhaft Konformität und verhindert den eigentlichen Sinn von Personal Branding: das Aufzeigen von Unterschieden.

Konformität um jeden Preis

Das Bedürfnis nach Anerkennung kann durchaus dazu führen, dass man sich als Individuum gerade nicht von der Masse abheben möchte. Insbesondere in unsicheren Zeiten, in denen eine „Wahrheit“ die andere in immer kürzeren Abständen abzulösen scheint, verspüren viele Mitmenschen den Wunsch nach Einklang und Geborgenheit. Experte zu sein, macht eigentlich nur dann wirklich Spaß, wenn der Expertenstatus dazu führt, gemocht zu werden, Beifall und Bewunderung zu ernten. Das ist verständlich, aber nicht die Aufgabe von Experten. Als Experte, der sich in der Öffentlichkeit äußert, verfolgt man in der Regel überhaupt keine eigenen Interessen. Da sich Experten mit Sachgebieten befassen, werden sie befragt, wenn es um Sachverhalte geht und nicht um Meinungen. Meinungen sind sicher nicht verwerflich, machen allerdings niemanden zum Experten. Was Sachverhalte von Meinungen unterscheidet, ist die objektive Erkenntnis, das etwas wahr oder falsch ist. Diese Erkenntnis ist allen Menschen verständlich, unabhängig davon, wie sie diese Tatsache finden. Man kann nur das mögen oder ablehnen, was existiert. Dagegen ist es unmöglich, etwas zu meinen und anschließend zu hoffen, dass allein die Meinung dazu führt, dies und das möge existieren.

Wer Personal Branding mit zu viel Sendungsbewusstsein betreibt, weil er meint, auf diese Weise auf einer Welle des Erfolges mitschwimmen zu können, ist weder „personal“ noch eine „Marke“, sondern eine Mehrheitsmeinung – eben das genaue Gegenteil von dem, was hinter der Idee des Personal Branding eigentlich steckt.

Wie geht „Anderssein“?

Sich von der Masse abzuheben gelingt am besten mithilfe von Authentizität. Für dieses Phänomen existieren viele Beispiele prominenter Persönlichkeiten, die manchmal umstritten, manchmal verhasst, oft geliebt, vor allem aber immer einzigartig sind. Um Authentizität herzustellen, muss man zuerst herausfinden, wer man ist. Das ist nicht immer angenehm, weil man oft nicht der ist, für den man sich hält. Für eine effektive und einzigartige Außenwirkung ist es jedoch wichtig, die eigenen Stärken und Schwächen realistisch einzuschätzen. Wer sich für einen Fachmann auf einem Gebiet hält, sich in Wirklichkeit aber gar nicht für das Thema interessiert, sondern nur auf der Aufmerksamkeitswelle mitschwimmen möchte, kann niemals authentisch wirken. Wirkliche Individualität erzielt man nur, wenn man ehrlich zu sich selbst ist. Da Aufrichtigkeit zurzeit Mangelware ist, kann man sich allein dadurch von der Masse abheben, dass man nicht behauptet, Experte auf einem Gebiet zu sein. Man stelle sich vor, jemand würde behaupten, sich ausgerechnet aus Gründen der Unsicherheit und des Nichtwissens um Austausch und Öffentlichkeit zu bemühen: wäre das nicht eine wirklich einzigartige Alternative?

Personal Branding als Dialog-Angebot

Letztendlich sollte Personal Branding über reine Selbstdarstellung hinausgehen. Denn insbesondere Social Media lebt von Kommunikation. Verkommt ein Auftritt zur reinen Marktschreierei, hat dies häufig einen negativen Beigeschmack. Vielleicht wäre es an der Zeit, darüber nachzudenken, ob der eigene Auftritt eher als ein Angebot zum Dialog daherkommen sollte, denn als reine Marketing-Strategie. Eine Einladung zum Mit- und Weiterdenken, die sich durch ihre Offenheit von der Ichbezogenheit anderer Präsenzen unterscheidet. Denn wenn alle einer Meinung sind, kann echter Austausch gar nicht mehr stattfinden. Die Dynamik, die eigentlich mit der öffentlichen Darstellung der eigenen Person verbunden sein sollte, kommt gänzlich zum Erliegen. Was einst Schwung in eine Präsentation gebracht hat, macht sie heute langweilig und ununterscheidbar. Ein Beispiel für ausgelutschte Ideen wäre an dieser Stelle die sogenannte „Guerilla-Bewerbung“: einst als amüsantes Vehikel gedacht, um bei Personalchefs Aufmerksamkeit zu erregen, ist sie mittlerweile aufgrund ihres mangelnden Seltenheitswertes eher unerwünscht, oft sogar belastend. Mithilfe von Provokationen ins Gespräch zu kommen, kann nur gelingen, wenn diese ein Ziel verfolgen, das über reines Aufschrecken hinausgeht.

FAZIT

Sowohl Konformität als auch Individualität sind Eigenschaften, die niemandem fremd sind. Jeder sollte sich mit seiner Personal Brand positionieren, wie er es selbst für richtig hält. Meinungsvielfalt kann sehr bereichernd sein und hin und wieder sogar zu Erkenntnis beitragen.

Ob es für den Einzelnen tatsächlich wünschenswert ist, sich auf eine Weise zu präsentieren, die den Eindruck erwecken soll, man hätte es mit echten Experten zu tun, muss jeder für sich selbst wissen. Schließlich fällt bei näherem Hinsehen immer auf, ob jemand wirklich an einer Sache interessiert ist und über echte Kenntnisse verfügt, andere kopiert oder über schnöde Selbstinszenierung und bloßes Clickbaiting nicht hinauskommt.

Authentische Präsentation lebt immer auch von Unsicherheit.

Niemand ist perfekt und das lässt sich auf Dauer nicht verheimlichen. Erfolgreiches Personal Branding nimmt dies nicht nur in Kauf, sondern geht offensiv damit um. Wer sich ein wenig in den Sozialen Netzwerken umsieht, wird sehr schnell bemerken, ob jemand wirklich an echtem Kontakt interessiert ist oder sich diesen durch übertriebene Zurschaustellung angeblicher Qualitäten vielleicht doch eher vom Leibe zu halten versucht. Denn dies ist die eigentliche Konsequenz fehlender Authentizität: Man wird als oberflächlich wahrgenommen, erfährt daher weniger Aufmerksamkeit und erreicht das genaue Gegenteil von dem, wofür Personal Branding eigentlich stehen sollte.

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