Kunst ist Übermittlerin von Wahrheit

Kunst ist Übermittlerin von Wahrheit

Kunst ist Uebermittlerin von Wahrheit

Kunst bewegt immer, weil sie wahrhaftig ist.

Es wird immer wieder gern behauptet, Kunst sei Geschmackssache, also rein subjektiv, und über Geschmack lasse sich bekanntlich nicht streiten. Dass Kunst jedoch im Grunde alle Menschen irgendwie bewegt, wird nicht in Frage gestellt. Verschiedene Personen können von ein und demselben Kunstwerk ergriffen oder abgestoßen sein. Die unterschiedliche Reaktion auf Kunst wird dann auf den jeweiligen Geschmack des Betrachters zurückgeführt. Paul Klee behauptete allerdings, dass Kunst gar nicht auf das Sichtbare hinweise, sondern bislang Ungesehenes sichtbar mache.

Was ist Kunst?

Um zu begreifen, wie etwas Unsichtbares durch Kunst sichtbar werden kann, muss man wissen, dass nicht alles, was heutzutage als „Kunst“ bezeichnet wird, auch wirklich Kunst ist. Kunst zeichnet sich durch Wahrhaftigkeit aus. Diese muss gar nicht immer bescheiden auftreten; Wahrhaftigkeit und grelle Effekte schließen sich nicht gegenseitig aus. Trotzdem sind die meisten Kunstwerke nicht auf übertriebene Provokationen und drastische Darstellungen angewiesen, da diese Effekte häufig darüber hinwegtäuschen wollen, woran es einem Kunstwerk mangelt. Dies hat zur Folge, dass solche Objekte hin und wieder auf Unverständnis oder Langeweile beim Betrachter stoßen.

Menschen, die sich beim Anblick von Kunstwerken langweilen oder sich verärgert von ihnen abwenden, sind daher nicht unbedingt ihrem individuellen „Geschmack“ zum Opfer gefallen, sondern auf das Fehlen von Sinn aufmerksam geworden. In diesen Fällen wird durch das angebliche Kunstwerk Sinnlosigkeit sichtbar gemacht. Zwar lebt die Kunstform der Satire davon, Sinnlosigkeit zu entlarven, sie kann aber keinen Sinn vernichten – Provokation in der Kunst eignet sich darum ausschließlich als Hinweis auf die Heuchelei einer herrschenden Klasse, Meinung oder Weltsicht und nicht als Instrument zur Zerstörung von Wahrhaftigkeit. Kunst ist deswegen sehr leicht von Darstellungen zu unterscheiden, die bloß vorgeben, Kunst zu sein und von Vertretern der Kulturszene als solche angepriesen werden, tatsächlich aber eher als Werbebotschaften für bestimmte Ideen und Weltanschauungen fungieren.

Aufgrund dieser Differenzierung zwischen Kunst und Ideologie, ist es nun möglich zu erkennen, warum Kunst Dinge sichtbar machen kann, die bislang nicht wahrgenommen wurden. Wer sich als Künstler versucht, möchte durch seine Werke eher offenbaren als erschaffen. Kunstwerke beruhen fast immer auf Eingebungen, Geistesblitzen und dem Drang, die Welt besser zu verstehen oder sie begreifbar zu machen. Künstler wählen ihre Kunstform als Ausdrucksweise, um ihre Erkenntnisse zu teilen. Das Bedürfnis nach Kunst entsteht daher sowohl beim Künstler als auch beim Betrachter aus dem gemeinsamen Streben nach Wahrheit. Das zeigt sich daran, dass Kunst universell verständlich ist, unabhängig von Kultur, Religion oder Tradition, denen Künstler und Betrachter entstammen. Möglicherweise durchdringt man ein Kunstwerk aus einer anderen Kultur intellektuell nicht vollkommen, weil einem das Hintergrundwissen zu einem allumfassenden Verständnis fehlt – dass es sich dabei um Kunst handelt, ist aber immer offensichtlich.

Kunst und Wahrheit

Kunst bevormundet den Betrachter nicht. Sie kann sich als Fragestellung oder in Form grenzenloser Schönheit präsentieren, was gelegentlich sehr erschöpfend ist. Der französische Schriftsteller Stendhal beschrieb während seiner Italienreise 1817, wie ihn die Besichtigung der Basilika des Heiligen Kreuzes in Florenz körperlich angriff, weil die Menge an Eindrücken ihn überforderte – ein Phänomen, das heute noch als „Florenz-Syndrom“ bekannt ist. Wenn man sich auf Kunst einlassen möchte, macht das was mit einem selbst. Oft sind die Erlebnisse unvergesslich, manchmal schockierend, auf jeden Fall kommuniziert Kunst auf sehr direkte Weise mit ihrem Betrachter. Die Aussage, dass Schönheit im Auge des Betrachters liege, ist daher nur insofern korrekt, als sie eine momentane Verfassung des Kunstliebhabers beschreibt. Fühlt er sich übermannt, unvorbereitet oder zu direkt angesprochen, spricht das nicht unbedingt gegen das Kunstwerk, sondern für seine Wahrhaftigkeit. Kunst ist manchmal erschreckend ehrlich und rücksichtslos, aber niemals beleidigend.

„Interesseloses Wohlgefallen“

Immanuel Kant behauptet in seiner Kritik der Urteilskraft, dass das Urteil über das Schöne das persönliche Interesse an dem Schönen nicht berücksichtigen dürfe, weil es sonst verfälscht würde. Es ist daher auch nicht möglich, seine Mitmenschen von einem Kunstwerk zu überzeugen, wenn es dem Werk selbst an Überzeugungskraft mangelt. Kunst kann nicht an Menschen herangetragen werden, ihr Verständnis lässt sich nicht erzwingen. Da sich das, was wir anfangs als Kunst definiert haben, in der Regel selbst erklärt, empfinden es einige Menschen als echte Qual, sich mit Kunst auseinandersetzen zu müssen. Wenn sich überhebliche oder sich selbst belügende Menschen mit Kunst konfrontiert sehen, kann es vorkommen, dass diese der Meinung sind, ein Kunstwerk müsse verboten oder wenigstens verborgen werden. Dies geschieht häufig dann, wenn der Betrachter durch ein Kunstwerk auf die eigene Inkohärenz hingewiesen wird. Der Begründer der Ästhetik als philosophischer Disziplin, Alexander Gottlieb Baumgarten, beschrieb Schönheit als „die Vollkommenheit der sinnlichen Erkenntnis“. Das „schöne Denken“ definiert er als die „innere Kohärenz der Gedanken und des Ausdrucks mit dem Gegenstand und sich selbst“. Daher ist es leicht zu verstehen, wenn sich Menschen, die inkonsequent leben und deren Alltagsbewältigung auf gedanklicher Inkohärenz beruht, durch einige Kunstwerke irritiert fühlen. Für manche Personen ist allein die Tatsache, dass Wahrheit existiert, eine Attacke auf ihr Weltbild.

Kunst und Handwerk

Der Übergang zwischen Kunst und Handwerk ist fließend. Kunst ist ohne richtiges Handwerk, ohne eine erlernte Technik, nicht möglich. Jeder Künstler durchläuft eine jahrelange, manchmal auch jahrzehntelange Schule, um die manuellen Fähigkeiten zu erwerben, auf denen Kunst basiert. Dabei werden nicht nur technische Fertigkeiten perfektioniert, sondern vor allem Konzentration geübt. Viele Künstler beschreiben ihre Arbeit als eine außerzeitliche Erfahrung, einen meditativen Zustand, der gleichzeitiges Loslassen und extreme Wachheit hervorbringt. Eine Arbeitsweise, die viele Handwerker und Ingenieure ebenfalls kennen, wenn sie sehr in ihre Aufgabe vertieft sind.

Diese Art von Konzentration und die fundamentale Anstrengung, die mit ihr verbunden ist, spürt jeder Betrachter von Kunstwerken und Benutzer von hochwertigen handwerklichen Gütern. Sie erschaffen den eigentlichen Wert von Kunstobjekten, weil Anstrengung und Konzentration das Erkennen von Wahrheit bewerkstelligen können. Nietzsche notierte in der „Morgenröte“ begeistert: „Das Glück der Erkennenden mehrt die Schönheit der Welt und macht Alles, was da ist, sonniger.“

FAZIT

Kunst gibt die Interpretation nicht vor, sondern überlässt dem Betrachter, selbst auf das Werk zu reagieren. Deshalb geraten manche Menschen in Panik, wenn sie sich mit Kunstwerken konfrontiert sehen, die sie auf ihre eigenen Schwächen hinweisen. Dabei wirkt Kunst nicht über persönliche Vorlieben, sondern über die Ehrlichkeit des Künstlers mit sich selbst. Provokationen können wirkungsvoll sein, wenn sie sich im Kopf des Betrachters abspielen und ihm zu mehr Einsicht verhelfen. Leider werden sie oft dazu genutzt, die fehlende Wahrhaftigkeit des Künstlers zu vertuschen oder Weltanschauungen zu verbreiten.

Kunst ist Übermittlerin von Wahrheit. Daher fallen viele Erzeugnisse, die zurzeit als „Kunst“ bezeichnet werden, nicht unter diesen Begriff. Sinnlosigkeit ist keine Erkenntnis, sondern eine Haltung, die das Erkennen von Wahrheit verhindert. Werbung für Weltbilder ist in den seltensten Fällen eine künstlerisch wertvolle Schöpfung.

Das Transzendentale von Kunstwerken liegt in der Konzentration, mit welcher der Künstler sein Werk erschafft. Im Mittelpunkt seiner Arbeit steht dabei nicht seine persönliche Schöpfung, sondern die Erkenntnis, welche das Objekt bei seinem Betrachter auslösen oder mehren kann.

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