Kreditfinanzierung vs. Kapitalgeber „Investor“ bei Gründungen

Kreditfinanzierung vs. Kapitalgeber „Investor“ bei Gründungen

Kreditfinanzierung vs. Kapitalgeber „Investor“ bei Gründungen

Die Frage nach der Finanzierungsform ist von enormer Wichtigkeit!

Mit einer guten Bonität und Sicherheiten kannst du für deine Unternehmung auch eine klassische Kreditfinanzierung anstreben. Wenn du teure Maschinen oder Technologie benötigst, kannst du es vermutlich kaum vermeiden, eine Anfrage bei der Bank zu stellen, die für derlei Investitionen oftmals gut ge­förderte Finanzierungspakete anbietet. Ich würde die Bank als Finanzier einer Geschäftsidee also nicht ausschließen.

Denn nicht immer muss es unbedingt ein Business Angel sein, mit dessen finanzieller Unterstützung du ebenfalls rechnen kannst. Im Gegenzug zur Bank verkaufst du damit jedoch Unternehmensanteile. Wenn das zu früh ge­schieht, dann kann das im Nachgang ärgerlich sein.

Selbstredend wird nicht jede Bank auch jede Idee finanzieren. Doch wer nicht fragt, wird nicht erfahren, ob es geklappt hätte. Einen Versuch, beim örtlichen Finanzinstitut vorzusprechen, ist es wert. Denn es treten attraktive Begleiterscheinungen durch die Gespräche mit der Bank auf den Plan: Der Mitarbeiter wird dich dabei unterstützen, einen tiefergehenden Einblick in deine Finanzplanung zu bekommen, da er dich mit Fragen konfrontiert, die dir helfen deinen Businessplan zu hinterfragen und zu optimieren. Die Bank wird wissen wollen, welche materiellen Güter mit deinem Geschäft verbun­den sind. Verfügt dein Unternehmen nach der Kreditvergabe beispielsweise über einen großen Maschinenpark, der viel Geld wert ist? Dann hätte die Bank in diesem Fall Möglichkeiten, den verliehenen Kredit zurückzuholen, wenn das Geschäft nicht funktioniert. Banken sind von Risikofreude und -bereitschaft weit entfernt. Genau das mag ich an ihnen. Auch wenn es zwischenzeitlich durchaus mal zäh sein kann, ver­helfen sie dir dabei, einen einfachen und bodenständigen Blickwinkel einzuneh­men. Danach kannst du immer noch einen Investor aufsuchen oder auch paral­lel. Je mehr Rückmeldungen und Fragen du von Fachleuten gestellt bekommst, desto besser kannst du deine Geschäftsidee verteidigen.

Meine erste Unternehmung war durch die Sparkasse Bonn (heute Sparkasse KölnBonn) finanziert. Über Nacht hatten mein Geschäftspartner und ich ei­nen Geschäftsplan runtergeschrieben, den ich mir heute selbst nicht abnehmen würde. Doch uns gelang es damit eine Gründerfinanzierung und wenig später noch weitere Kredite zu bekommen. Mit jedem Kredit wuchs die Belastung, was gleichzeitig wie eine unsichtbare Peitsche wirkte, die uns immer wieder an­trieb, weiterzumachen.

Im Laufe der Zeit habe ich viele Gründer kennengelernt. Nicht wenige waren dabei, die leichtfertig, fast schon sorglos mit dem Fremdkapital umgingen, weil es nicht ihr eigenes Geld war. Wenn das Geld in Tranchen ausgezahlt wird, kann das erdrückend sein und zugleich auch hilfreich. Gründern ist nicht automa­tisch damit geholfen, große Summen überwiesen zu bekommen. Das verleitet zu Impulskäufen und Ausgaben, die ohne die Geldspritze nicht geplant gewe­sen wären: ein Konferenzticket nebst Reisekosten hier, ein neuer Rechner dort und so weiter. Kaum hast du dich versehen, ist das Geld weg und du steckst im Teufelskreis von Ausgaben und fehlenden Einnahmen fest. Nicht von ungefähr halten sich die Berichte von Lottogewinnern hartnäckig, die durch sechs Richti­ge plötzlich zu Reichtum kamen und einige Zeit später ärmer wurden als zuvor.

Der Umgang mit Geld ist ein wichtiger Schlüssel zum Erfolg. Ein schriftlich fixierter Finanzplan hilft zwar, einen roten Faden zu erkennen, dennoch ist er oftmals weit weg von der Realität. Viele Unwägbarkeiten suchen den Gründer ausgerechnet dann heim, wenn er sie nicht gebrauchen kann: Gläubiger, die aus­gerechnet jetzt das Geld haben wollen, das zwar nicht dir gehört und dennoch auf deinem Konto parkt. Vielleicht geben aber auch Geräte oder Maschinen ihren Geist auf, kurz nach dem Ablauf der gesetzlichen Gewährleistung. Oder es bahnt sich ein kostenintensiver Rechtsstreit an. Das Geld kann sich in alle möglichen Richtungen verflüchtigen, immer dann, wenn man es am wenigsten erwartet und gebrauchen kann: nicht abzuwendende Gehaltserhöhungen der Belegschaft, Lizenzen, Tickets, Reisekosten, Werbung, Steuern und so weiter.

Wappne dich dafür und lerne, bessere Preise zu verhandeln. Trau dich, nach Rabatten zu fragen. Betrachte auch kleine Beträge immer in der Summe über ein ganzes Jahr. Fünf Mal zweihundert Euro für Konferenz-Tickets sind tau­send Euro im Jahr. Hand aufs Herz: Rechnet sich das am Ende? Oder hätten es nicht auch zwei Tickets getan, mit denen möglicherweise die gleichen Re­sultate erzielt worden wären? Bei einer Ersparnis von 600 Euro wohlgemerkt.

Mit einem großen Betrag auf dem Konto wirken 600 Euro daneben vielleicht winzig klein. Daher fühlt es sich auch so an, als würde es keinem weh tun, wenn mehr Leute aus dem Team zur Konferenz mitgenommen werden als er­forderlich. Wenn du aber erst einmal Tage erlebst, wo du die Hände schützend über den Kopf hältst und hoffst, dass du irgendwie jemandem eine Rechnung stellen kannst, um 600 Euro ins Geschäft zu holen, damit es weitergeht, dann bewertest du die Situation neu und sparst dir stattdessen die Ausgabe. Mit die­sen Hinweisen möchte ich dich motivieren, mit kühlem Kopf zu kalkulieren und mit sicherem Händchen sinnvoll zu investieren. Sparsam sein bedeutet nicht, sich dem Geiz hinzugeben. Mit Geiz ist man genauso schlecht beraten wie mit Verschwendungssucht. Ich möchte dich sensibilisieren, gut über Aus­gaben nachzudenken.

Wer sich für das Einsammeln von Venture Capital entscheidet, gibt sich wo­chenlanger Schwerstarbeit hin, die Investition von Zeit und Energie bedeutet gleichzeitig ein Ausfall der eigenen Arbeitskraft. Wie oben bereits beschrie­ben, kann das bedeuten, dass du dich ärgerst, wenn dein Geschäft plötzlich floriert und du erkennst, dass du den finanziellen Unterstützer zu früh an Bord geholt hast, der nun aber unverhältnismäßig hochgradig an deinem Ge­schäft partizipiert.

Geld von einem Investor zu erhalten, fühlt sich großartig an. Es ist eine sehr einfache Form von Erfolg und Anerkennung. Es muss also vermeintlich alles richtig sein, was man bis zu diesem Schritt angepackt hat, wenn einem ein Investor sein Geld anvertraut.

Ich weiß nicht, wie oft ich davon sprach, mit meinem Unternehmen sinn­bildlich in einem alten Käfer zu sitzen und durch das Gewinnen eines Inves­tors daraus einen Porsche zu machen. Es hat mich viele Jahre gekostet, bis ich begriff, dass die selbst kreierte Metapher ein Irrglaube war. Ich musste erkennen, dass ich einem Irrtum aufsaß und Geld allein nicht automatisch die Qualität eines Unternehmens verbessert. Um bei diesem Bild zu bleiben: Den Antrieb bzw. die Motorleistung massiv zu steigern, bedarf den saube­ren Eingriff eines Fachmanns. Und nun muss der Fahrzeug- oder in diesem Konstrukt der Unternehmenslenker auch imstande sein, das deutlich kraft­vollere Gefährt steuern zu können. Nicht jeder kann auf Anhieb mit 500 Pferdestärken umgehen, wenn er zuvor nicht einmal 50 PS unter der Haube hatte. Die Wahrscheinlichkeit, damit blitzschnell im Graben zu landen, ist für Untrainierte nicht gering.

Deshalb: Überheblichkeit und blinde Freude kön­nen Beschleunigung verursachen, die sich nicht lenken lässt. Also gemach. Verliere nie das eigentliche Ziel aus den Augen und geh behutsam mit dem Gaspedal um. Der Fahrer ist entscheidend.

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