Glück durch Moral

Glück durch Moral

Glueck durch Moral

Ist Moral irrelevant, weil sie rein subjektiv wahrgenommen wird?

Der Philosoph George Edward Moore (1873-1958) lehrte, dass „gut“ eine „nicht-natürliche Eigenschaft und undefinierbar sei wie gelb“. Außerdem lägen angeblich in persönlichen Neigungen „bei weitem die größten Güter, die man sich vorstellen könne“. Diese sogenannte Erkenntnis Moores brachte nicht nur die Moralphilosophen und Ethiker vor einigen Jahrzehnten zur Weißglut. Die Relativierung von Moral, welche Moore mit seinem sogenannten „Naturalistischen Fehlschluss“ unternahm, wirkt bis heute nach – und lässt immer wieder auch die ganz großen Philosophen an der Definition von „gut“ verzweifeln.

Ist Moral relativ?

Kann man überhaupt von Moral sprechen, wenn alle etwas anderes darunter verstehen? Oder gar behauptet wird, Moral sei irrelevant, weil sie rein subjektiv sei? So wie gelb?

Nehmen wir an, Person X sei krank und brauche dringend Bettruhe, weil der Arzt behauptet, dies sei „gut“. Wir würden nicht annehmen, dass Bettruhe grundsätzlich für alle zu jederzeit „gut“ ist. „Gut“ heißt in diesem Fall: Gut für Person X, damit sie sich erholt und gesund wird. Doch auch für X mag es unter bestimmten Bedingungen Dringenderes geben als Bettruhe (beispielsweise die Hochzeit eines engen Verwandten oder einen plötzlichen Todesfall in der Familie), obwohl sie krank ist. Das heißt, selbst bei ein und derselben Person gibt es für „gut“ unterschiedliche Wertungen.

Was geschieht nun, wenn sich zu den widersprüchlichen Wertungen einer Person auch noch kulturelle Unterschiede gesellen? Ohne Zweifel existieren unterschiedliche Kulturen mit sehr verschiedenen Moralvorstellungen. Mittlerweile herrscht auch in der Bundesrepublik eine große kulturelle Vielfalt. Doch unterscheiden sich die Moralvorstellungen der einzelnen Kulturen weniger voneinander als die meisten Menschen glauben:

So erläuterte der Moralphilosoph Robert Spaemann in seinem Buch „Moralische Grundbegriffe“, dass die meisten Kulturen mehr moralische Überzeugungen verbinden als sie voneinander trennen. Doch ist das wirklich so? Was heißt denn nun „gut“? Nähern wir uns diesem scheinbar undefinierbaren Wörtchen einmal von der anderen Seite:

– Ist Lügen gut?
– Werden wir verehrt aufgrund unserer Arroganz?
– Macht uns Neid zu einem besseren Menschen?
– Finden wir durch Gier unser Glück?
– Werden wir geliebt, weil wir geizig sind?

Diese Fragen wird wohl niemand für sich im Stillen ernsthaft mit „Ja“ beantworten. Also was ist dann „gut“? Es ist so simpel wie offensichtlich, dass „Gutes“ darin besteht, Schaden nicht nur abzuwenden, sondern zum Gedeihen einer Gruppe, einer Gemeinschaft oder einer ganzen Gesellschaft beizutragen. Moral ist also eine zutiefst menschliche Eigenschaft, die jeden Menschen, der ein wenig Mitgefühl für seine Umgebung aufbringen kann, an Regeln bindet. Diese Regeln empfinden alle Menschen, gleich welchen Ursprungs, als nützlich im Umgang mit anderen Menschen. Moral ist also nicht relativ.

Woran erkennt man moralische Menschen?

Sicher nicht daran, dass sie von sich behaupten, sie seien hochmoralisch und über alle Maßen anständig. Seit Menschengedenken wurden Personen, die sich selbst für moralisch überlegen hielten, entweder von ihrer Gemeinschaft belächelt oder gar aus ihr verstoßen. Oftmals wurden sie durch ihren eigenen Hochmut zu Fall gebracht. Das liegt daran, dass der Glaube an die eigene moralische Überlegenheit blind macht – die eigene Umgebung wird in der Folge falsch eingeschätzt. Dieser Realitätsverlust führt zu ungünstigen Entscheidungen, die wiederum Situationen herbeiführen, die kaum noch zu bewältigen sind.
Zu beobachten ist diese selbst geschaffene moralische Falle am Beispiel von Lügnern, die sich selbst so sehr in ihrem Lügengebäude verstricken, dass sie jede Lüge mit einer weiteren Lüge untermauern müssen. Diese verfahrene Situation endet immer tragisch – am meisten leidet der Lügner selbst unter ihr.

Moralische Menschen hingegen wissen, dass es immer jemanden gibt, der besser ist als sie. Diese Personen agieren zurückhaltend, sind freundlich und hilfsbereit, ohne dabei allzu viel von sich selbst preiszugeben. Je wichtiger ihre Funktion in einer Organisation, desto weniger denken diese Menschen an sich selbst. Ihnen geht es um das Ganze, von dem auch sie nur ein Teil sind. Aus diesem Grund gehen sie fürsorglich mit ihrer Gemeinschaft um. Sie wissen, wie wichtig jeder Einzelne für das Wohlergehen der Gruppe ist und unterstützen daher diejenigen, die Hilfe brauchen. Faulen und Selbstsüchtigen wird ebenfalls geholfen: Indem der moralische Mensch sie wissen lässt, dass auch sie gebraucht werden, legen viele zerstreute und unwillige Zeitgenossen ihre Schwächen ab. Diese Art der Fürsorge gibt selbst den schwächsten und widerwilligsten Personen die Kraft, die sie benötigen, um produktiv zum Wohl einer Gemeinschaft beizutragen.

Das wichtigste Merkmal moralischer Menschen besteht darin, dass sie durch ihre Selbstlosigkeit Energien freisetzen, die eigennützige Zeitgenossen anspornen, weniger an sich selbst und mehr an das Ganze zu denken.

Integrität bewahren – sich selbst schützen

Zugegeben: Die erste Reaktion auf einen Betrug, eine aufgeflogene Lüge oder auf Untreue ist Rache. Am liebsten würde man es dem Betrüger mit gleicher Münze heimzahlen. Doch sollte man sich trotz aller verständlicher Wut zuerst vergewissern, ob diese Gegenreaktion wirklich Erleichterung verschafft. Fühlt sich ein Betrogener besser, wenn er selbst zum Betrüger wird?

Integrität stammt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie „unversehrt“, „ganz“ oder „heil“. Was geschieht nun, wenn ein Betrogener selbst zum Betrüger wird? Gewiss: Er fühlt sich zwar gekränkt, weil er hinters Licht geführt wurde – seine Gutgläubigkeit hat Schaden verursacht. Doch bei wem? Wer trägt die Verantwortung für diesen Schaden? Nicht der Betrogene. Sein Vertrauen wurde lediglich missbraucht – er hat aber nicht missbraucht. Er ist weiterhin ein integrer Mensch, immer noch „heil“ und „unversehrt“. Ihm ist Unrecht widerfahren, für das er nichts kann.

Übt ein Opfer in dieser Situation Vergeltung, steht es anschließend schlechter da, als der ursprüngliche Betrüger. Denn nicht nur wurde sein Vertrauen durch den Betrug missbraucht, es hat sich durch eine Racheaktion selbst schuldig gemacht. Daher sollte man auch in sehr schwierigen Augenblicken dringend abwägen, ob Wut und Enttäuschung gute Ratgeber sind. Der Schaden wird jedenfalls nicht dadurch geringer, dass jemand, der Opfer von Lüge und Betrug wurde, selbst Unrecht begeht. Die eigene Integrität lässt sich also nur dadurch bewahren, dass man Unrecht zwar nicht akzeptiert, aber lernt, Unrecht nicht durch noch mehr Unrecht zu vergrößern.

Moral klingt so altmodisch – sind unmoralische Menschen nicht viel erfolgreicher?

Sind sie das? Weil sie reich sind? Berühmt? Reichtum und Berühmtheit sind nicht unbedingt Zeichen für Erfolg. Erfolg besteht darin, ein gestecktes Ziel zu erreichen. Sich zu verbessern, zu lernen und so gut wie möglich für sich und andere zu sorgen. Dies kann nur gelingen, wenn jemand Verantwortung für sein Handeln übernimmt. Verantwortung zu tragen bedeutet, Rede und Antwort zu stehen, sich selbst gegenüber aufrichtig zu sein sowie der Familie, den Freunden und Kollegen.

Welche Reaktionen erwarten wir von unseren Mitmenschen, wenn wir uns „verantworten“? Wir wollen garantiert nicht hören: „Es ist gleichgültig, was Du für uns getan hast. Denn gut ist so undefinierbar wie gelb!“ Nein – uns würde es glücklich machen, wenn man uns sagte: „Danke, Du hast uns weitergebracht! Das ist gut!“ Erfolg bemisst sich also darin, ob etwas „gut“ ist. Und zwar nicht nur für uns selbst, sondern für unsere Gemeinschaft. Gut kann also nicht undefinierbar sein, weil etwas Gutes bei allen auf Anerkennung stößt.

Aristoteles bezeichnete das Glück als das oberste Gut des Menschen, welches nur dadurch zu erreichen sei, indem man vernünftig zu handele. Wenn wir davon ausgehen, dass jeder Mensch nach Glück strebt, müssen wir anerkennen, dass es besser für uns ist, vernünftig zu handeln als uns voller Tatendrang, doch vollkommen kopflos, in irgendwelche Abenteuer zu stürzen.

Fazit

Moral ist nicht relativ, weil ihr Fehlen Chaos verursacht. Gutes wird universell von allen Menschen als „gut“ anerkannt, weil es das Zusammenleben fördert. Moralische Menschen erkennt man daran, dass sie bescheiden, zurückhaltend und hilfsbereit sind. Dagegen sind Personen, die von sich behaupten, „moralisch“ zu sein, häufig eher arrogante und hochmütige Zeitgenossen. Außerdem besteht Glück vor allem darin, Ziele zu erreichen und das Wohl einer Gemeinschaft zu mehren – was wiederum moralisches Handeln voraussetzt.

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