Geld! Ein unvermeidbares Thema für Gründer

Geld! Ein unvermeidbares Thema für Gründer

Geld! Ein unvermeidbares Thema für Gründer

Geld ist Treibstoff. Das Auto fährt nicht von allein. Einer muss ans Steuer.

Wenn du nicht gelernt hast, gut mit Geld umzugehen, wirst du verdursten, wenn du zu wenig hast und ertrinken, wenn du zu viel davon hast. Diese Weisheit gebe ich Gründern gerne mit auf den Weg. Denn Privatpersonen, die von sich selbst wissen, dass ihnen das Geld durch die Hände rinnt, wer­den es als Geschäftsleute kaum besser machen können. Zumindest wird es anfänglich sehr lange so sein, bis sie dazugelernt haben.

Meine Eltern waren sehr fleißig. Sie haben sich in der Schichtarbeit abge­müht und sogar nebenbei gearbeitet. Für ihre Verhältnisse haben sie viel Geld verdient. Dieses Kapital nutzten sie, um ihr Vermögen aufzubauen. Dazu investierten sie, wann immer sie konnten, um zum Beispiel Grundstücke in der Türkei zu kaufen und Häuser zu bauen. Sie hätten durchaus noch viel erfolgreicher sein können, wenn sie nicht immer mal wieder durch die eigene Verwandtschaft um den einen oder anderen Geldbetrag erleichtert worden wären.

Mein Vater sendete Geld in die Türkei, um seinem Verwandten Geld zu ge­ben, damit dieser sich Schafe kaufen konnte. Statt in das Nutzvieh zu inves­tieren und eine Schafzucht aufzubauen, entschied sich mein Onkel dafür, sich ein paar Pferdestärken zuzulegen und präsentierte meinen verdutzten Eltern bei unserem nächsten Türkeiurlaub ein klappriges Auto. Die Schafe würden ohnehin zu viel fressen und nur Kosten verursachen, lautete die Erklärung.

Ein anderes Mal begannen Verwandte zeitgleich mit dem Bau ihres Hauses nebenan. Wie von Geisterhand verschwand immer ein Teil unseres Baumate­rials auf Nimmerwiedersehen. Am Ende überragte ihr Haus das Haus meiner Eltern um eine ganze Etage.

Einer meiner Onkel nahm zwanzigtausend Mark in einem Umschlag entge­gen, mischte sich in die Istanbuler Menschenmenge, um das Geld zu wech­seln und wurde erst wieder gesichtet, als das Geld auf unerklärliche Weise verschwunden war. Akte X lässt grüßen. Es waren Unsummen, die meine Eltern im Laufe der Zeit verloren haben. Wir haben als Familie viele Abstriche machen müssen. Ich kann mich an kei­ne Sommerferien als Kind erinnern, in denen ich in der Türkei keine Steine geschleppt, Fassaden gestrichen oder Schubkarren bewegt habe. Meine El­tern als Migranten der ersten Generation haben, obwohl sie kaum lesen und schreiben konnten, durch harte Arbeit und ihre persönliche Einstellung zu Geld viel bewirkt und damit einen enormen Einfluss auf mich ausgeübt. Ich bin durch eine harte Schule gegangen und es hat mich oft geärgert, dass die schlauen Ratschläge, die sie mir gaben, sich so gut wie immer bewahrheiteten. Ob ich sie ablehnte oder nicht.

Trotz der finanziellen Verluste gelang es meinen Eltern, kontinuierlich eine solide Basis aufzubauen. Ich lernte früh, dass schmerzhafte Fehler zum Ge­schäftsleben dazugehören. Der Versuch, pauschal jedem Risiko aus dem Weg zu gehen, um krampfhaft Fehler zu vermeiden, ist in meinen Augen für einen Gründer der größte Fehler. Erfolgsorientierte Start-ups probieren aus und lernen dadurch, schneller und besser zu werden.

Bleiben wir noch einen Moment beim Treibstoff der Wirtschaft: Geld. Grün­der nehmen häufig an, dass zum Gründen immer viel Geld nötig ist. Das stimmt so nicht. Es kommt immer darauf an, welches Ziel du verfolgst. Wenn du in der Lage bist, zu bootstrappen, also mit möglichst wenig Geldaufwand zu gründen, dann solltest du genau diese Option wählen. Lass dich nicht ver­leiten, mehr auszugeben, als du musst. Auch nicht, wenn andere behaupten, dass Gründen immer viel Geld kostet. Verzichte beispielsweise darauf, mit einem völlig überteuerten Auto etwas darzustellen, das du am Anfang gar nicht sein kannst. Ehrlichkeit und Bescheidenheit sind hier die deutlich bes­seren Begleiter. Wenn du mehr Kapital benötigst, als du zur Verfügung hast, leihe dir das Geld, wann immer es geht, zinsfrei von deiner Familie oder von Freunden. Spiele immer mit offenen Karten und sprich, wenn Risiko im Spiel ist, genau das auch an. Wenn dein Geschäft funktioniert, zeige dich großzügig und lass deine Unterstützer an deinem Erfolg teilhaben.

Leiste die Rückzahlungen, so schnell es geht. Wenn es doch einmal klemmt und sich Engpässe einstellen, sei ehrlich und suche früh das Gespräch, anstatt abzutauchen und die Kommunikation einzustellen. Gleiches gilt für die Be­gleichung von Rechnungen. Wenn du deine Situation schilderst und sichtlich bemüht nach gemeinsamen Lösungen suchst, werden sich mit hoher Wahr­scheinlichkeit Möglichkeiten ergeben, dass du deine Schuld in Raten zahlen kannst oder der Gläubiger sogar den Betrag reduziert. Ich habe noch keine schlechte Erfahrung gemacht, wenn ich gezwungen war, es so umzusetzen. Ganz im Gegenteil. Durch diese Ehrlichkeit verstärkte sich die Beziehung zu meinen Gläubigern und der Vertrauensbonus wuchs. Mit Hilfe der Kredito­ren konnte ich so auch die schwierigsten Zeiten überstehen.

Mein Vater sagte mir immer, ich solle niemandem etwas schuldig bleiben. Das hat sich in mir fest verankert. Doch umgekehrt musst du als Gründer natür­lich auch Sorge dafür tragen, dass dir niemand Geld schuldet. Es reicht nicht aus, nach getaner Arbeit Rechnungen zu schreiben und sie zu versenden. Du wirst auch kontrollieren müssen, ob die vereinbarten Beträge bei dir ankom­men. Vor allem rechtzeitig. Du selbst musst deine Rechnungen bezahlen kön­nen und kannst dir nicht erlauben, Ausfälle anzuhäufen. Besonders am An­fang gehört etwas Mumm dazu, Rechnungsbeträge anzumahnen. Einerseits möchtest du nicht unhöflich sein und die vielleicht noch frische Geschäfts­beziehung strapazieren. Vielleicht zögerst du, weil du befürchtest, dass dein Gegenüber vermuten könnte, dass du gerade jetzt auf diesen Rechnungs­betrag angewiesen bist. Doch nicht du bist derjenige, der sich rechtfertigen muss. Wenn du deine Leistung erbracht hast, bist du kein Bittsteller. Bleib am Thema und erkläre freundlich, aber bestimmt, dass du für die erbrachte Leis­tung die Gegenleistung erwartest. Sollte es Probleme mit der Liquidität deines Schuldners geben, überlege dir, inwieweit du ihm entgegenkommen möchtest und unter welchen Umständen die Zahlung seinerseits geleistet werden kann.

Es ist schon eine lange Zeit her, da hatte ich mit einer mittelgroßen Berliner Werbeagentur zu tun, die ihre Rechnungen in einem guten vierstelligen Be­reich nicht zahlen wollte. Ich erkundigte mich, ob es Probleme gab, die dazu führten, dass das Konto nicht ausgeglichen wurde und war bereit, aktiv nach einer Lösung zu suchen. Die Geschäftsführung schwang voller Eitelkeit gro­ße Reden und erklärte, bisher immer jede Rechnung ausgeglichen zu haben. Ich hätte ihr Wort und bald wäre alles beglichen. Die Zeit verging, doch es ging kein einziger Cent auf meinem Konto ein. Zudem riss der Kontakt völ­lig ab. Absolute Funkstille. Monate später erhielt ich ein Schreiben, in dem mir vorgeworfen wurde, ich hätte die vereinbarten Leistungen nicht erbracht und daher würden die Rechnungen nicht beglichen werden. Es entbrannte ein Streit, der vor dem Richter endete. Dieser entschied zu meinen Gunsten. Schade um die verschwendeten Ressourcen auf beiden Seiten.

Fazit: Besonders in Geldangelegenheiten kannst du dir Nachlässigkeit nicht erlau­ben. Sie kann sich in massive eigene Zahlungsschwierigkeiten umwandeln. Wenn es dir dein Geschäftsmodell erlaubt, einen direkten Kontakt mit Kunden zu führen, dann nutze die Gelegenheit auch, um schon früh die Weichen für ein finanziell gutes Geschäftsverhältnis zu legen.

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