Geht nicht, gibt’s nicht! Oder etwa doch?

Geht nicht, gibt’s nicht! Oder etwa doch?

Geht nicht, gibt´s nicht

Eine der wichtigsten Fragen, die sich Gründer stellen und beantworten sollten, lautet: Aufgeben oder weitermachen?

Wie lange du an deiner Geschäftsidee festhältst, ob du mit ihr abhebst oder über die Startbahn hinausschießt und gegen die Wand fährst, liegt an deinem Geschick. Dafür gibt es kein Patentre­zept. Ob ein Unternehmen erfolgreich werden kann oder zum Scheitern ver­urteilt ist, hängt von vielen wesentlichen Kriterien ab. So wie das Produkt oder die Lösung immer einen bestimmten Nutzen erfüllen sollten, damit Kunden bereit sind, dafür Geld auszugeben, ist auch die Erkenntnis wichtig, dass man im richtigen Moment die Notbremse zieht. Meine Mutter hat bei uns zuhause den Spruch geprägt „Geht nicht, gibt’s nicht.“ Generell scheint dieser Spruch bei vielen Menschen so bedeutungsvoll.

Im Bezug aufs Unternehmertum halte ich diesen Spruch jedoch für vollkom­men falsch. Wer diesen Leitspruch als Geschäftswahrheit übernimmt, kann damit (Vorsicht Kraftausdruck) hart auf die Fresse fallen. Diejenigen, die ein Scheitern nicht in Betracht ziehen, die dranbleiben und ein Nicht-Funktio­nieren ignorieren und nicht akzeptieren, straucheln, wenn sie sich verbissen einreden, dass es schon irgendwie klappen wird. Wer offen bleibt und den Markteintritt sportlich betrachtet, deutet die Signale, die danach verlangen, das Geschäftsmodell abzuwandeln, das Geschäft frühzeitig zu verkaufen oder es zu beenden, richtig.

Ich selbst habe bis jetzt noch nie eine Insolvenz anmelden müssen. Doch ich bin zweimal knapp dem finanziellen Tod von der Schippe gesprungen. Beide Male konnte ich das Ruder im letzten Augenblick noch herumreißen und mit blauem Auge davonkommen. Im letzten Moment verkaufen, das nennt man auch „Firesale“. Mir kam dieses Feuer gefährlich nah, so nah, dass ich mir fast die Hände daran verbrannt hätte. Zumindest hat es mich hier und da geerbtes Silberbesteck und andere diverse Wertgegenstände gekostet.

Hätte ich auf „‘Geht nicht’ gibt’s nicht“ gesetzt, wäre zweimal Insolvenz die Folge gewesen. Damit wir uns richtig verstehen: Das bedeutet nicht, dass du zittrig an die Sache herangehen solltest und auch nicht auf jede Warnung von außen reagieren musst, wenn dir jemand sagt: „Schau mal, das läuft nicht. Du solltest es aufgeben.“ Natürlich wirfst du die Flinte dann nicht gleich ins Korn. Wenn es aber hakt, soll­test du tatsächlich vom hohen Ross absteigen. Verlasse das Schiff vielleicht für ein paar Tage, um es von außen zu betrachten: den Rumpf, die Fassade und die Farbe. Nimm dir Zeit dafür und horche in dich hinein. Dein unternehmerisches Gespür wird dir den Weg weisen, du wirst einschätzen können, ob du es ändern, las­sen oder noch einmal durchstarten sollst. Wenn dir die Antwort im Verborgenen bleibt, gibt es immer noch die Möglichkeit, einen Typen wie mich in Anspruch zu nehmen und gemeinsam den Status quo zu bewerten. Du bist nicht allein. Wenn es wirklich keinen Sinn mehr ergibt, steige ab vom falschen Pferd, auf das du gesetzt hast. In diesem Falle bist du zu Fuß schneller unterwegs.

Nicht jedes Business-Modell setzt sich innerhalb einer bestimmten Zeit, z.B. in sechs Monaten durch. Manchmal dauert es Jahre. Viele Faktoren spielen eine Rolle. Es hängt auch von der Substanz des Gründers ab. Wenn du zum Beispiel ein schwieriges Geschäft führst und Stress nicht gut verträgst, kön­nen dich schwere Zeiten ganz schön mitnehmen. Wenn du schnell so weit bist, dass du am liebsten verkaufen würdest, ist das vielleicht auch die beste Lösung, auch wenn das Geschäftsmodell tatsächlich noch Potenzial hat. Dann solltest du etwas finden, was besser zu dir passt und dich gesundheitlich nicht zu stark beeinträchtigt.

Es gibt aber auch andere, die sind aus einem ganz anderen Holz geschnitzt. Die halten durch. Ich selbst habe als Kind gelernt, mit Strapazen zu leben. Wenn es kritisch wird, nehme ich nicht Reißaus. Das kann aber auch dazu führen, dass solche Beißer im letzten Moment mit dem Kopf regelrecht gegen die Wand knal­len. Hinterher bemerken sie, dass sie schon viel früher hätten verkaufen oder einstellen sollen. Das ist eben nicht nur vom Geschäftsmodell, sondern auch von einem selbst abhängig. Wann erkennst du das? Bist du jemand, der eine Antenne dafür hat oder nicht? Wenn du sie nicht hast, solltest du Vertraute an deine Seite holen, von denen du sicher sein kannst, dass sie dich ehrlich unterstützen. Wenn ein Vertrauter dir sagt: „Pass mal auf, du bist so tief drin, du bist verbohrt, du bist willensstark, deswegen siehst du die Signale nicht, aber weil du mir vertraust, gebe ich dir jetzt mal Warnhinweise. Es gibt die und die Signale.“

Dann solltest du demjenigen vertrauen und die Reißleine ziehen. Der wich­tigste Tipp, den ich dir an dieser Stelle geben kann, heißt: Hilfestellungen von Personen anfordern, die eine solche oder ähnliche Herausforderung schon ge­meistert haben.

Fazit: Es gibt ein Buch von Richard Branson, das heißt sogar „Geht nicht gibt’s nicht!“

Dieses Motto ist eine Maxime von vielen erfolgreichen Unternehmern. Jedoch scheint mir, dass sie viele Dinge im Nachgang nur noch selektiv wahrnehmen. Sie erzählen selten von ihren Niederlagen und von den Unternehmungen, die sie einstellen muss­ten, weil der Erfolg ausblieb. Ich würde also sagen, dass es jedem Gründer hilft, Aufgeben als Option in Betracht zu ziehen, wenn die Ergebnisse ausbleiben oder die persönliche, körperliche und geistige Konstitution nicht ausreicht, um das Geschäft fortzusetzen.

„Geht nicht“ gibt es also auf jeden Fall. Es macht auch einen gesunden Menschen­verstand aus. Das Aufgeben als Scheitern zu stigmatisieren ist völliger Unsinn. Ganz im Gegenteil. Du brauchst Mumm dafür, um zu sagen: Ich stoppe jetzt, egal was alle sagen. „Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende“, lautet das richtige Sprichwort dazu.

Egal, wie das Umfeld reagiert – ob die Aufgabe oder der Verkauf als Scheitern verurteilt werden würde, sollte dem Gründer egal sein. Erkennen, wann etwas schief läuft, ist eine wichtige Kompetenz. Manche erkennen es und trauen sich nicht, an­zuhalten. Das kann gefährlich werden. Vergiss nicht, du bist dein eigener Herr, du entscheidest.

Welche Erfahrung hast Du gemacht? Wie ist deine Sicht auf „Geht nicht, gibt´s nicht“? Lass mich wissen was du darüber denkst und hinterlasse mir deine Meinung im Kommentarfeld oder schreibe mir.

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