Freiheit durch Bewusstsein

Freiheit durch Bewusstsein

Freiheit durch Bewusstsein

Wer sich nicht selbst befehle, bleibe immer Knecht, so behauptet Goethe.

Unser Bewusstsein ermöglicht es uns, dass wir uns frei fühlen. Das bedeutet im Umkehrschluss, unbewusste Menschen fühlen sich unfrei. Warum das so ist, erklärt dieser Beitrag.

Erfolg durch Bewusstsein

Wer sich unbewusst durchs Leben schlägt, ist dem Sein und der Welt ausgeliefert. Der Einfluss einer unbewussten Person auf ihr Leben ist gleich Null. Das liegt daran, dass Unbewusste weder ihr eigenes Leben noch ihre Beziehung zur Welt reflektieren. Für viele Menschen bleiben daher Phänomene wie Erfolg, Können und Wissen unerklärliche Eigenschaften; angebliche „Talente“ und „Begabungen“, in deren Genuss nur Auserwählte kommen. Angeborene Intelligenz oder gar genetische Veranlagung zum Erfolg sind nur zwei Beispiele für Mythen, an die unbewusste Menschen glauben, um dadurch ihre eigenen Misserfolge, Unzulänglichkeiten oder ihre Faulheit zu rechtfertigen. Solche Überlegungen sind menschlich verständlich, führen aber zu einer fundamentalen Unfreiheit. Wer gar nicht weiß, dass er imstande ist, etwas zu können, kann nichts lernen.

Der Schritt zum Bewusstsein ist also überhaupt erst die Voraussetzung, um mit dem Erwerb von Wissen, Fähigkeiten und dem Erbringen von Leistung beginnen zu können. Wer nicht bewusst daran arbeitet, sich zu entwickeln, kann sich weder Ziele stecken noch erreichen. Um sich aber ein Ziel zu setzen, muss man sich zuerst darüber bewusst werden, aus welchem Grund diese Ziel erreicht werden soll. Denn, wer beispielsweise das Ziel verfolgt, „erfolgreich und wohlhabend“ zu werden, muss sich darüber im Klaren sein, dass nur dienende Menschen „erfolgreich und wohlhabend“ werden können.

Wie bitte? Diener sollen reich und wohlhabend sein? Erfolgreiche Menschen sind nur erfolgreich, weil andere Menschen ihre Produkte oder Dienstleistungen kaufen, ihre Kunstwerke bestaunen oder ihre Bücher lesen. Das bedeutet, Erfolg kommt dadurch zustande, dass sich ein erfolgreicher Mensch zuvor bewusst Gedanken darüber gemacht hat, was anderen gefällt. Wohlhabend ist er deswegen geworden, weil seine Mitmenschen etwas so dringend von ihm wollten, dass sie dafür bezahlt haben. Ein erfolgreicher, wohlhabender Mensch hat sich also in den Dienst seiner Kundschaft gestellt und etwas für sie produziert.

Freiheit durch Bewusstsein

Sind Diener denn nicht vollkommen unfrei? Diener sind ja keine Sklaven. Insofern müssen Goethes Worte richtig verstanden werden. Für Goethe sind Knechte unbewusst lebende Zeitgenossen. An „äußere Umstände“ versklavt sind daher leider diejenigen, die unbewusst durchs Leben geistern. Sie sind im wahrsten Sinne des Wortes den Elementen unterworfen. Man könnte auch sagen: Sie lassen sich leben anstatt selbst zu leben: „Der Ziellose erleidet sein Schicksal – der Zielbewusste gestaltet es“, wusste bereits Immanuel Kant.

Die Denker des Idealismus begriffen das Bewusstsein als einzige Möglichkeit, Freiheit zu erlangen. Hegel wird gern und viel zitiert, um zu verdeutlichen, dass Eigenständigkeit und Fürsorge sich weder ausschließen noch widersprechen, sondern sich gegenseitig bedingen. Laut Hegel können nur autonome und selbstbewusste Menschen wirklich altruistisch sein. Umgekehrt ist es ausschließlich dienenden Mitmenschen möglich, autonom und selbstbewusst zu leben, weil sie begriffen haben, dass Freiheit darin besteht, diese beiden Welten einer Persönlichkeit miteinander in Einklang zu bringen.

Für Hegel ist Bewusstsein daher gleichbedeutend mit Freiheit. Nur durch das Bewusstwerden der eigenen Person, die in einer Welt zu bestehen hat, sei es möglich, selbstbestimmte Entscheidungen zu treffen, die zur Erreichung eigener Ziele nötig sind.

Bewusstsein ermöglicht Wahrheitsfindung

Diese „Dialektik“ Hegels wirkt bis heute nach. So beruhen auch moderne Gerichtsprozesse auf der Idee, dass niemals ein Mensch allein alles wissen und beherrschen kann. Aus diesem Grund müssen verschiedene Personen, die einen Fall aus unterschiedlichen Perspektiven bewerten, in einem Verfahren angehört werden. Ähnlich wie bei korrekten wissenschaftlichen Studien, fließen in die Beurteilungen von Wirklichkeit verschiedene Beobachtungen ein, die zusammen ein möglichst getreues Bild der Wahrheit abgeben.

Wichtigste Voraussetzung für faire Gerichtsprozesse und wahrheitsgetreue Wissenschaft ist auch hier wieder das Bewusstsein. Nur wer sich seiner Verantwortung bewusst ist, kann seine Arbeit wirklich erfolgreich bewältigen. Integrität entsteht dadurch, dass sich ein Mensch bewusst auf die Suche nach Wahrheit macht und nicht darauf wartet, dass sie sich ihm präsentiert. Denn der äußere Schein ist viel eher mit Unbewusstheit oder gar Täuschung verbunden als mit Wahrheit. Wer sich dessen jedoch bewusst ist, kommt derlei Täuschungsmanövern schnell auf die Schliche.

Um Wahrheit aufzuspüren, sind sowohl Bewusstsein als auch auch Selbstbewusstsein unerlässlich. Im Zusammenspiel von Selbsterkenntnis und Distanz zur eigenen Person entsteht eine Freiheit, die sich mit Wahrheit abfinden kann, auch dann, wenn sie einem nicht gefällt. Das, was ist, ist. Was jemand aus dieser Tatsache macht, ist allein seine eigene Wahl und bedeutet seine Freiheit.

Bewusstsein erleichtert den Umgang mit Rückschlägen

Wer dieser Tatsache ins Auge sehen kann, wird auch leichter mit Misserfolgen und Rückschlägen fertig. Denn es gibt nicht einen einzigen erfolgreichen Menschen, dessen Leben ununterbrochen und in allen Lebensbereichen von Erfolg gekrönt ist. Das Gegenteil ist sogar der Fall: Die meisten Leistungsträger leiden oder haben einmal gelitten. Das kommt daher, dass man sich bewusst machen muss, dass Lernen vor allem erst einmal Misserfolg bedeutet. Niemand kann etwas, ohne es zu üben. Übung jedoch ist harte, manchmal sogar unerträglich harte Arbeit. Es kommt mitunter vor, dass Übende und Lernende so verbissen an ihrem Erfolg arbeiten, dass plötzlich nichts mehr geht. Als würde das gesamte Vorhaben in Trümmern liegen.

Wer hier aufgibt, ist unbewusst von seinem Weg abgekommen und macht die berühmten „äußeren Umstände“ für sein Scheitern verantwortlich. Wer allerdings ein solches Tal der Tränen durchschreiten kann, weil er weiß, dass das Scheitern an ihm selbst liegt, ist bei der Entfaltung seines Bewusstseins einen großen Schritt voran gekommen. Denn die Erkenntnis, dass man selbst für sich und seine Erfolge verantwortlich ist, ermöglicht es einem, weiterhin bewusst sein Ziel zu verfolgen. Möglicherweise muss die Strategie vollkommen verändert werden. Vielleicht war auch nur die gewählte Taktik an dem Misserfolg schuld.

Fakt ist, all diese Überlegungen, die essentiell für das Erreichen von Zielen sind, kann ein unbewusster Mensch nicht anstellen. Nur bewussten Personen ist es möglich, über ihre Handlungen, ihre Fehler und eventuelle Verbesserungen zu reflektieren. Manchmal reicht es, eine Änderung des eigenen Verhaltens vorzunehmen. Doch wer an einem toten Punkt angelangt ist, benötigt häufig mehr: Einen regelrechten „Bewusstseinswechsel“ – ein neues Mindset, das die Problematik wirklich von einer ganz anderen Seite betrachtet. Das Schwierige an solch einem „Bewusstseinswechsel“ ist, dass man sich dieser Notwendigkeit zuerst bewusst werden muss. Daraus folgt, dass Erfolg ganz fundamental mit der Erlangung und Übung von Bewusstsein zusammenhängt.

Fazit

Bewusstsein macht also nicht nur erfolgreich, sondern frei. Denn nur, wer sich seiner selbst und seiner Umgebung bewusst ist, kann sein eigenes Verhalten reflektieren. Wer über diese Fähigkeit nicht verfügt, ist den „Umständen“ völlig ausgeliefert. Das bedeutet, dass ihm sein Leben widerfährt; er ist also gar nicht in der Lage, zu leben, sondern muss mit Ereignissen vorliebnehmen.

Zur Erlangung von Erkenntnis ist Bewusstsein ebenfalls erforderlich. Denn Wahrheit lässt sich nur durch integere Personen aufspüren, da diese weniger dem äußeren Schein verfallen sind als vielmehr dem inneren Kern eines Problems auf den Grund gehen wollen. Integrität aber setzt Bewusstsein voraus, da Integrität durch die Ablehnung von Lüge entsteht.

Auch lassen sich Rückschläge durch ein ausgeprägtes Bewusstsein besser verkraften. Denn wer Misserfolge nicht als zufälliges Ereignis, sondern als eigene Unzulänglichkeit begreift, auf die man selbst Einfluss hat, ist eher in der Lage, Fehler zu finden und diese abzustellen. Diesem Denken liegt allerdings ein Mindset zugrunde, dass bewusst Mängel entdecken und beheben will. Wer es schafft, sich unaufgeregt mit den eigenen Zielen auseinanderzusetzen, lernt schnell, bewusst zielführendere Entscheidungen zu treffen.

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