Ein kurdisches Feuerwerk als Weckruf für das deutsche Boxen?

Coskun Josh Tuna

Ein kurdisches Feuerwerk als Weckruf für das deutsche Boxen?

Wo fängt man an und wo hört man auf nach einem Tag wie diesem?

Der gestrige Box-Abend in Oberhausen war eine Achterbahnfahrt der Extreme.

Wir erlebten einen „Kaltstart“ im wahrsten Sinne des Wortes:

Organisatorisches Chaos und verschlossene Türen sorgten dafür, dass wir den Sieg von Oronzo Birardi verpassten. Ein Umstand, der ärgerlich ist, weil ein Talent wie er eine bessere Bühne verdient hätte. Auch das sportliche Mittelfeld bot Licht und Schatten, bis hin zu kuriosen Momenten, in denen der Referee selbst zu Boden ging.

Doch all das verblasste gegen das, was folgte.

Der Zündfunke für eine neue Ära?

Als Agit Kabayel die Arena betrat, passierte etwas, das weit über einen regulären Boxkampf hinausging. Der Lärmpegel explodierte. Sein Auftritt glich dem eines Volkshelden. Die Halle war fest in der Hand seiner Fans, und man muss an dieser Stelle neidlos anerkennen, welche Wucht die kurdische Community entfalten kann.

Es ging hier spürbar um mehr als Punkte oder Gürtel. Es war Identifikation, Kultur und Stolz, verschmolzen in einer Person.

Beim Betrachten der Ränge drängte sich ein Gedanke auf, der für die gesamte deutsche Box-Szene relevant ist: Wir warten in Deutschland seit mehr als zehn Jahren auf die Wiederbelebung des großen Boxsports. Vielleicht müssen wir uns eingestehen (und anerkennen), dass genau dieses „kurdische Boxen“ der Funke ist, auf den wir gewartet haben.
Die Leidenschaft ist zurück, nur anders.

Die frenetische Energie, mit der Agit gefeiert wurde, erinnerte an die goldenen Zeiten des Sports, nur eben mit einer neuen, anderen kulturellen Färbung. Diese emotionale Bindung ist der Treibstoff, der nötig ist, um Hallen wieder zu füllen und ein Feuerwerk im deutschen Boxen zu zünden.
Nach gestern Abend steht fest: Agit Kabayel ist das Gesicht dieser Bewegung. Er hat nicht nur seinen Gegner dominiert, sondern eine ganze Gemeinschaft zum Sieg geführt. Er hat gezeigt, dass er bereit ist, die Türen für die ganz großen Kämpfe (Usyk?) aufzustoßen.

Trotz aller Pannen im Vorfeld, die Atmosphäre war historisch. DAS WAR BOXEN, wie es sein sollte: Packend, emotional und krachend!
 

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