Die alte Platzräuberin in der Bahn

Die alte Platzräuberin in der Bahn

Ich ärgere mich heute nicht über die Dame mit kurzgeschorenem kupferfarbenem, fast lichtem Haar in der Bahn. Sie müsste um die sechzig sein. Modisch schick, braun gebrannt und fesch gestylt sitzt sie auf dem Sitz zum Gang. Der Platz zum Fenster links neben ihr dient als persönliche Ablagefläche für ihre hässliche kleine Handtasche, vermutlich aus Krötenleder und für ihren schwarzen Mantel, der demonstrativ allen vorbeilaufenden Fahrgästen grinsend den Mittelfinger zeigt.
Kurz vor der nächsten Haltestelle schließt sie ihre Augen, um sich schlafend zu stellen. Ganz schön dreist, denke ich und zupfe an meinem Bart, während ich sie mit zugekniffenen Augen beobachte. Ich könnte, aber werde nicht. Heute nicht. Selbst anderen älteren Menschen macht sie den Platz neben ihr nicht frei. Sie hat ihre Beine übereinander geschlagen und schiebt leicht ihre Schulter nach vorne. Wie hoch ihr Gartenzaun zu Hause wohl ist, frage ich mich.

Nein, ich ärgere mich nicht über sie. Warum auch. Habe ja einen Sitzplatz auf der anderen Seite und lächle sie wissend freundlich an, wenn sie grimmig herüberschaut, weil ich sie ertappt habe. Welch fieser Blick. Irgendwie habe ich es mit älteren Damen in der Bahn. Entweder treffe ich auf die ganz liebe Version einer Oma oder auf das absolute Gegenstück.

 Wäre es böse von mir, wenn ich ihr unterhaltsame Krätze an beide Kniekehlen wünsche?

Vielen Dank für´s teilen!

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