Der alte Mann am Bahnsteig

Der alte Mann am Bahnsteig

Der alte Mann am Bahnsteig

Der alte Mann weiss nicht, warum ich ihn beobachte.

Es fällt ihm nicht einmal auf. Meine Regionalbahn verspätet sich um 35 Minuten. Also bin ich eine Plattform weiter, um die S-Bahn zu nehmen.

Während ich auf der überfüllten Fläche einen Platz für mich suche, erblicke ich einen alten Mann, der mein Vater sein könnte. Einen ganzen Kopf kleiner als ich, mit verschränkten Armen auf dem Rücken, weißen Haaren, die seitlich unter seinem alten grauen Cappy herausschauen, und einem freundlich entspannten Blick. Er müsste 70 sein, denke ich. Nur drei Schritte links hinter ihm habe ich mich positioniert und beobachte wie er meines Vaters gleich dort steht. Mal schaut er nach Rechts und mal nach Links. Schaut sich die anderen Fahrgäste an und macht einer Frau mit Kinderwagen den Weg frei. Könnte mein Vater sein.

Seine gebeugten Schultern verraten die harte Arbeit in seinem Leben. Ich legte gerne meine Hand auf meines Vaters Schulter. Ganz so als würde ich einem treuen Freund ewiges Vetrauen signalisieren. Für einen kurzen Moment überkommt es mich bei dem Gedanken dem fremden Mann genauso an die Schulter zu fassen. Zwei Schritte und ich stehe neben ihm. Die Plattform ist voll. Eine gute Gelegenheit für einen Kontakt. Könnte mein Vater sein.

Meine Hand erfasst seine linke Schulter. Wärme. Das letzte Mal, als ich meinen Vater berührte, war er kalt. Der Mann dreht sich überrascht zu mir rüber, um mich durchzulassen. Ich schaue ihm lächelnd in die Augen. Wir kennen uns, spüre ich meine Körperhaltung sprechen. Behutsam drehe ich mich dabei an ihm vorbei. Er sagt nichts. Lächelt aber freundlich und gibt seine obere Zahnreihe preis. Wie mein Vater. Ein warmes Gefühl durchströmt mich. Ich streife an ihm vorbei und suche einen Platz etwas weiter hinten.

Der alte Mann weiss nichts von mir. Er glaubt sicher nur, dass ich an ihm vorbei wollte. Er wird sich nicht an mich erinnern. Für mich hingegen war es ein kurzer Moment mit meinem Dad.

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