Das Denken zerfällt und mit ihr die Menschlichkeit

Das Denken zerfällt und mit ihr die Menschlichkeit

DAS DENKEN ZERFAELLT UND MIT IHR DIE MENSCHLICHKEIT

Das eigenständige Denken wird nicht nur immer weniger, sondern verliert sogar immer mehr sein Ansehen.

Davon betroffen sind unsere Einstellungen, unsere persönlichen Gefühle und unsere Hoffnungen an das Gute im Menschen. Erkennbar ist dieser Werteverfall an verschiedenen Tatsachen. Nicht nur im Internet findet man sehr aggressive Ausdrucksweisen, sondern auch das Verhalten der Menschen miteinander im alltäglichen Umgang ist durch einen aggressiven Unterton gekennzeichnet. Gängige Umgangsformen scheinen den wenigsten noch geläufig, bzw. sind gar nicht mehr gewollt. Sie scheinen lästig und ein Ausdruck von Schwäche. 

Ein großes Problem ist beispielsweise, dass sich die Menschen nicht mehr sicher sind oder sein können, auf welche Aussagen tatsächlich Verlass ist und wobei es sich nur um mutwillige Propaganda handelt. Gedanken, Meinungen und Ideen sind immer schneller und unaufhaltsamer ineinanderfließend und nach Gutdünken wandelbar geworden. Es spielt schon lange so gut wie keine Rolle mehr, was man als Meinung veröffentlicht. Sie wird von anderen aufgenommen, wie Knetmasse zerdrückt, in eine neue Form gebracht und dann zurückgeworfen. Es findet also keine wahrhaftige und gewollte Betrachtung eines Gedankengangs mehr statt, so dass sich die Gesprächspartner nicht auf Augenhöhe wirklich darüber austauschen können. 

Wenn eine Gesprächskultur herrscht, in der es nur darum geht, den anderen zu erniedrigen, zu unterdrücken oder zu besiegen, gehen konstruktive Gedanken, Pläne und Projekte einfach unter. Im Nachhinein werden diese oft noch zusätzlich kritisiert, sodass neu entstehende Gedanken bereits im Keim erstickt werden. Manch einer glaubt sich sogar anmaßen zu dürfen in welchem Radius, sich andere überhaupt Gedanken machen dürfen. Ein mehr als unreifes Verhalten. 

Worin liegen die Ursachen dafür in der menschlichen Gesellschaft? Warum werden Werte immer weniger geschätzt, wurden sie doch über viele Jahrhunderte schmerzhaft und mit viel Blutvergießen schwer erkämpft? Wieso tritt man sie so leichtfertig mit den Füßen? Wo ist der Dialog geblieben? Wo der freie Gedanke? 

Es scheint schier unmöglich, ein gelungenes Miteinander zu gestalten und auf Basis von Idealen und Zielen als Gesellschaft voranzukommen. Über mehrere Jahrzehnte hinweg wurde diese Tatsache schlichtweg ignoriert. Die Erosion von Werten des menschlichen Umgangs wird als große Errungenschaft deklariert, weil sie als tradiert verkauft werden. Sind sie doch das Fundament, für das so viele Menschen zuvor kämpfen mussten. Ein Beispiel für diesen Aspekt ist, dass fast jedes Land dieser Welt davon ausgeht, ein Vorbild für die gesamte Welt zu sein. Manche dieser Länder wollen sogar das Erscheinungsbild der Welt verändern oder das eigene Land in einen Zustand bringen, der vermeintlich ein Vorbild für andere sein soll. Diese Regierungen versuchen selbst inszenierte Erfolge und auf Kosten von Geschichte und Generationen verherrlichte Errungenschaften als Ideale zu präsentieren, während sich die Bürger bereitmachen, um zu protestieren und dagegen aufzulehnen.

Durch diese Spannungsfelder ist es in Zukunft nicht absehbar, dass das gesamtmenschliche Denken sich verändert oder, dass Wohlstand für alle einkehrt und Frieden herrscht. Die Menschheit dreht sich wie versklavt in ihrem Handeln im Kreis. Ideen, die in solchen Zuständen hervorgebracht werden, können allenfalls als wahnhaft und krampfhaft bezeichnet werden. Die absurdesten Verschwörungstheorien bahnen sich plötzlich ihren Weg frei und werden  tatsächlich von anderen erhört und in sozialen Medien als Wahrheiten verbreitet. Alles, was daraus entstehen kann, ist noch größeres Chaos, jedoch kein Fortschritt. Im Allgemeinen wird gesagt, dass alle Geschehnisse der heutigen Zeit in der Regel ein Hinweis darauf sind, was sich in Zukunft ereignen wird. In diesem Kontext gesehen, ist das was uns, Menschen, Tiere, Natur und unseren Planeten erwartet, wahrlich kein gutes Zeichen. 

Diese Erkenntnisse sind nicht neu. Immer wieder wurden und werden sie von Experten und Wissenschaftlern diskutiert und behandelt. Doch nichts ändert sich. Renommierte Autoren, kluge Denker und Experten haben sich zum Thema „Niedergang des Denkens“ geäußert. Jedoch verpufft jegliche Aufklärung, als wären die Menschen von einer unsichtbar undurchdringbaren Kapsel umgeben. Sie scheinen immun.

Wertvolle Ideen gehen verloren, weil sie einer kümmerlichen Haltung weichen müssen. 

Meist sind Menschen nur darauf bedacht, ihren Status und ihren Vorteil zu wahren. Vermutlich ist ihr Handeln immer dadurch vorbestimmt. Sie neigen immer wieder zu Unaufrichtigkeit, Kleinlichkeit und Geltungssucht. Diese Erkenntnis ist kaum von der Hand zu weisen. Durch diesen falschen Ehrgeiz geleitet, verfolgen sie ihr Ziel, dass sie permanent erreichen wollen. Hin und wieder kommen sie an einen Punkt, an dem sie bewerten, was sie bisher erreicht haben. Viel häufiger als diese Erkenntnis dämmert ihnen aber, was sie alles verpasst haben auf ihrem Weg und was sie alles noch erreichen könnten in ihrem unstillbaren Verlangen. Egoismus und Ablenkung sind auf diesem Weg nicht selten. 

Grund für diesen Verfall ist, dass diese Menschen es niemals gewagt haben, in sich selbst zu kehren und zu erkunden, was der eigentliche Sinn ihres Daseins ist. Auch die Liebe zu anderen ist ihnen fremd. Dies äußert sich in mangelndem Respekt und fehlender Tugend. Das einzige, was diese Menschen interessiert, ist, wie sie am besten zu ihrem eigenen Vorteil gelangen und ihr Eigentum anreichern können. Ihr großer Traum ist es, maximalen Wohlstand zu erreichen, auch wenn dies auf Kosten ihrer Mitmenschen geht und sie diesen dafür etwas wegnehmen müssen.

Leider muss man sagen, dass selbst der Versuch, etwas Positives zu bewirken, bei solchen Leuten eher scheitert. Das liegt daran, dass durch fehlende Tugend und fehlendem gesunden Menschenverstand schlichtweg keine guten Dinge hervorgebracht werden können. Sie sind schlichtweg nicht in der Lage etwas wahrhaft Gutes zu tun. 

Im Verlauf der Menschheitsgeschichte kam es immer wieder zu Phasen, in denen Menschen und Nationen schlimme Wege einschlugen. Neu hinzu kommt aber die große Beklemmung, die in der Gesellschaft vorzufinden ist. Diese Tatsache entsteht daraus, dass der Mensch seinen eigenen Egoismus und seine Bedürfnisse über seinen Verstand, seine Intelligenz und sein Urteilsvermögen stellt. So entsteht eine Ungleichheit zu Gerechtigkeit und Wahrheit, ohne, dass es einem solchen Menschen überhaupt selbst auffiele. Er ist weiterhin der Überzeugung, dass sein eigenes Wissen das einzige ist, was er zur Lebensführung benötigt.

Ich bin der Überzeugung, dass die Menschen heute nicht intelligenter oder vernünftiger sind als früher. Und das trotz der Tatsache, dass unserer heutigen Gesellschaft weitaus mehr Mittel zur Verfügung stehen. Die großen Denker von früher waren nicht so oberflächlich und unvernünftig, wie die intelligenten Menschen unserer Zeit; und das obwohl oder vielleicht auch gerade deshalb, weil ihnen nicht einmal ein kleiner Teil der Möglichkeiten zur Verfügung standen, die die Menschen heute nutzen können. Dabei spricht man von Technologie und Wissenschaft, die heute weit fortgeschritten ist. Und doch waren Menschen früher doch viel konsequenter, kompetenter und stärker. Wurden sie von den harten Lebensumständen dazu gezwungen oder waren es andere Gründe, die sie zum tatkräftigen Umsetzen bewegten?

All die Möglichkeiten, die unsere heutige Zeit bietet, verhilft nicht automatisch dazu, auch nur ansatzweise an die Denker und Arbeiter vor unserer Zeit heranzukommen. Die Materialisten sehen nur noch mit ihren Augen und richten den Blick auf Materielles, während sie dabei den Verstand aus dem Blick verlieren. Die religiösen Menschen wiederum, die wie hypnotisiert alles nur auf einen spirituellen Punkt fixieren, sind oberflächlich und zweifeln nichts an. Aber wenn Menschen dann doch versuchen, die Probleme unserer Zeit anzugehen, fallen ihnen nur die Lehren ihrer Vorgänger ein. Und so etablieren sie Religion, Sozialismus, Kapitalismus und Liberalismus. Gibt es nichts anderes mehr zu erdenken? Ich träume von einer Welt ohne geografischen Grenzen, ohne kulturelle und religiöse Grenzen, ohne Grenzen, die das freie Denken verhaften und ersticken. 

Der wahre Grund für den Niedergang des Denkens und der daraus resultierenden Probleme muss erst noch in seiner Tiefe identifiziert werden, um sie zu bekämpfen. Andernfalls wird es nicht möglich sein, diesem Teufelskreis zu entfliehen. Die Menschheit wird keinen Ausgang aus ihren Krisen erreichen können. So gelangt sie von politischen Problemen in ökonomische Krisen. Sind diese überwunden, gerät sie in militärische Krisen und dann bricht das Verwaltungssystem zusammen. Nach und nach wird die Menschheit so zum Niedergang verdammt sein. Und dies wird vor allem dann der Fall sein, wenn wir weiterhin an unseren bisherigen Überzeugungen festhalten und der Ursache des Problems nicht auf den Grund gehen. Jede Diskussion, die geführt wird, wird immer wieder zu der Erkenntnis kommen, dass sie sich doch nur im Kreis dreht. Die einzigen Fragen, die sich dann immer wieder stellen sind: Freiheitliche Ordnung oder autoritäre Ordnung? Kapitalistisches System oder sozialistischer Staat? Es werden weiter Diskussionen geführt werden und am Ende kommen wir zu der Erkenntnis, dass logisches Denken jahrelang vernachlässigt wurde, nur um die eigenen Bedürfnisse zu stillen.

Dieses Vorgehen zerstört das Denken vieler Generationen und ist ab einem bestimmten Zeitpunkt vermutlich nicht mehr heilbar.

Vielen Dank für´s teilen!

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