Das alltägliche Business-Netzwerk

Das alltägliche Business-Netzwerk

OMR 2019 Das alltägliche Business-Netzwerk

Netzwerken beginnt in dem Moment wo zwei Menschen zusammenkommen!

Der Aufbau eines Netzwerks ist ein People Business, bei dem es um Austausch und Kommunikation geht. Dafür stehen performante Plattformen zur Verfügung: Facebook, Twitter, Instagram, LinkedIn und Xing, um die bekanntesten der westlichen Welt zu nennen. Man kann sich im virtuellen Raum finden und folgen. Genau davon sollten Gründer auch Gebrauch machen. So bleibst du immer up to date und kannst von den Informationen deiner Kontakte profitieren und dein Wissen vermitteln. Es gibt Kontakte, denen du mindestens einmal oder auch gelegentlich die Hand gibst und diejenigen, mit denen du ausschließlich virtuell verbunden bist. Wichtig ist hier der gemeinsame Nenner, auf dem alles fußt. Nur so lassen sich interessante Geschäfte aufbauen.
Allerdings gibt es auch hier einige wichtige Punkte zu beachten. Als Gründer solltest du neue Kontakte nicht wie Trophäen oder Karten in einem Quartettspiel behandeln. Prahlerei darüber, wen du kennst, wird von deinem Gegenüber schnell identifiziert. Damit disqualifizierst du dich möglicherweise. Denn jemanden virtuell zu kennen, ist keine große Leistung.

Dennoch sind der aufrichtige Blick und der stete Verbindungsaufbau wichtige Schritte für die Zukunft. Der Junior Manager von heute kann morgen schon ein Entscheider sein, der dir einen großen Auftrag erteilt. Selbst hier ist der respektvolle Umgang wichtig. Auch wenn dir jemand noch nicht so wichtig erscheint, könnte genau diese Person in ferner Zukunft unerwartet eine entscheidende Rolle für dich und dein Unternehmen spielen.

Respekt und Anerkennung sind daher zwei elementare Schlüsselbegriffe im Networking, die zu beherzigen sind. Hier habe ich selbst in jungen Jahren Fehler gemacht. Später waren einige der von mir unterschätzten Personen leitende Angestellte oder Gründer von erfolgreichen Unternehmen. Seitdem versuche ich, jedem auf Augenhöhe zu begegnen und stelle für mich fest, dass es sich lohnt, Zeit in Geschäftskontakte zu investieren.

Viele neue Geschäftsbeziehungen gehen auf erste Kontakte zurück, die mehr als drei Jahre zurückliegen. Das war für mich eine zugleich erschreckende, aber auch beruhigende Erfahrung. Erschreckend, weil mir die Zeit so lang erschien, aber auch beruhigend, weil ich erkannte, dass die Investition in die Beziehung mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einem Geschäft oder zu anderen sinnvollen Ergebnissen führen konnte. Diese Erfahrung kennt mit Sicherheit so gut wie jeder Gründer und Unternehmer.

Vergiss nicht, zu geben, anstatt nur zu nehmen. Mit Geben ist nicht nur Geld gemeint. Empfehlungen, Tipps, Ratschläge und konstruktive Kritiken sind häufig gewinnbringend für beide Seiten. Ich tausche mich regelmäßig mit Gründern und anderen Unternehmern aus. Wir profitieren vom Wissen des anderen und keiner redet davon, dass es kosten müsse.

Wer gibt, der bekommt. Als junger Gründer war ich auf dem Holzweg, weil ich stets versuchte, schnell in Erfahrung zu bringen, ob jemand einen Nutzen für mich hatte oder nicht. Kontaktscheue kannte ich nicht, weil ich als Polizist gelernt hatte, klar und direkt auf Menschen zuzugehen. Das kam mir zugute. Ich war sehr selbstsicher. Nicht arrogant, aber konkret. Ich war davon überzeugt, dass mir jeder zuhören musste, der sich in meiner unmittelbaren Nähe befand. Einmal sollte mir mein Verhalten aber auch eine Lehre werden. Ein Moment, den ich bis heute nicht vergessen habe.

Im Jahre 2000 besuchte ich meine erste Online-Marketing-Messe. Ich mochte die Atmosphäre. Das Event war nach heutigen Maßstäben winzig. Als junger Gründer war ich völlig unerfahren und lief in einem dunklen Business-Anzug und einem schwarzen Aktenkoffer durch die Gänge. Mein Ziel war es, nach Kooperationsmöglichkeiten für unsere Online-Mitfahrzentrale (mein erstes Unternehmen war die Mitfahrzentrale.de) zu suchen. So kam ich auch zum Stand einer Billigfluggesellschaft. Ich weiß den Namen der Gesellschaft nicht mehr, ich weiß nur noch, dass sie später, im Jahr 2008, ihren Betrieb einstellen musste.

Sofort waren mir die Synergien bewusst, die unsere Plattformen auf Datenebene kreuzen könnten. Wir würden auf Mitfahrzentrale.de Flüge vermitteln können, wenn unsere Nutzer keine passenden Fahrten fanden, aber dringend von A nach B gelangen mussten. Es war für mich absolut plausibel und sollte dringend angegangen werden. Ich stand also da und schaute nach einem potenziellen Ansprechpartner. Am liebsten wollte ich gleich mit dem Chef sprechen. Da war er auch. Unter seinem Namen war seine Position zu lesen: Vorstand. Perfekt. Schnurstracks ging ich auf ihn zu und bat um ein Gespräch. Für mich war klar, dass ich an diesem Tag der beste Kontakt dieses Mannes war. Er jedoch wiegelte ab. Er hätte gleich einen Termin und ich möge bitte warten oder einen späteren Termin vereinbaren. Einverstanden, ich wartete also. Und eilte nach seinem Gespräch erneut auf ihn zu. Wieder schickte er mich weg. Ich wartete also wieder und kam noch einmal auf ihn zu. Als er mir erneut das Gespräch verweigerte, was für ihn und für mich so wichtig gewesen war, wurde ich ungehalten und sagte in einem bestimmenden Ton, wie ich es noch aus Zeiten einer Polizeikontrolle gewohnt war, dass mein Anliegen für ihn wichtig sei und er mir zuhören müsse. „Ich entscheide selbst, was wichtig für mich ist“, schrie er mich plötzlich mit hochrotem Kopf an.

Als Ex-Polizist waren mir Gefühlsausbrüche von Bürgern nicht unbekannt. Aber damit hatte ich nicht gerechnet. Nicht im Business-Umfeld, von dem ich immer vermutete, dass Menschen zivilisiert miteinander umgehen und voneinander profitieren. Diese Erfahrung war völlig neu für mich. Ich war von jemandem angeschrien worden und schockiert davon. Mein Ego lag in Scherben vor meinen Füßen. Ich hatte einen Fremden ziemlich gestresst. Er fuhr aus der Haut, weil ich keine Ahnung davon hatte, wie man richtig Networking betreibt. Wie versteinert schaute ich ihn an. Kein Wort kam mir mehr über die Lippen. Er wiederholte seine Botschaft. Etwas dezenter und ruhiger zwar, aber klar und bestimmend: „Ich entscheide, was wichtig für mich ist.“ Sein Blick forderte mich auf, den Stand zu verlassen. „Ja“, sagte ich kleinlaut, drehte mich um und ging. Ich fühlte mich wie ein Schuljunge, der einen dummen Fehler gemacht hatte. Ich war wütend und wünschte mir in diesem Moment den Untergang des Unternehmens, dessen Vorstand er war. Ich war zutiefst verletzt und habe lange über diese Erfahrung nachgedacht.

Es gab im Nachgang so viele Facetten für mich, diese Situation zu betrachten. Ich fragte mich, wer ich schon war im Vergleich zum Vorstandsmitglied einer Fluggesellschaft und warf mir vor, den Mann auf nervtötende Weise überfallen zu haben. ‘Vielleicht hatte er nur einen stressigen Tag und ist eigentlich ein netter Mensch’, spekulierte ich.

Weiterhin dachte ich darüber nach, ob er mich herablassend behandelt oder mir, dem arroganten, jungen Schnösel, zu Recht eine Lektion erteilt hatte. Vielleicht tat es ihm später sogar leid. Wer weiß. Heute ist es für mich nicht mehr wichtig, mir Gedanken über dieses Ereignis zu machen, aber damals ergaben sich Fragen über Fragen. Ich wollte und musste lernen, wie, wo und wann ich mit Menschen in Kontakt treten konnte, um daraus ein bestmögliches Ergebnis für alle Beteiligten zu gewinnen.

Mit der Zeit lernte ich, dass Geduld, Timing, Vertraulichkeit, Verlässlichkeit, Offenheit und vor allem Reputation für mich die wichtigsten Faktoren zum Netzwerken sind. Selbstverständlich gelingt es mir nicht immer, bei jedem, den ich neu kennenlerne oder den ich schon eine Weile kenne, nach diesen Prinzipien vorzugehen. Aber ich strebe danach, es bestmöglich umzusetzen. Über die Jahre habe ich einen guten Weg zum Netzwerken gefunden. Ich arbeite bewusst daran. Mein Vater sagte immer, dass wir Menschen durch das richtige Miteinanderreden verschlossene Türen zueinander öffnen können. Das gilt im Business nicht weniger als im Privatleben. Das ist wie ein Handwerk, das gerade Gründer lernen sollten.

Oftmals kommen genau die Menschen weiter, die es verstanden haben, mit anderen den richtigen Umgang zu finden. Fachliche Kompetenz oder ein hohes Maß an Intelligenz reichen nicht immer, wenn du nicht imstande bist, mit anderen richtig zu kommunizieren. Hier heißt es üben, üben, üben. Gut hinsehen und lernen.

Welche Erfahrungen hast du mit Netzwerken gemacht, bzw. wie gehst du vor? Interesse am Austausch mit mir? Schreibe mir direkt über mein Kontaktformular oder hinterlasse mir doch einen Kommentar unten.

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