Clubhouse – oder wie erzeuge ich den Eindruck von „Exklusivität“?

Clubhouse – oder wie erzeuge ich den Eindruck von „Exklusivität“?

Clubhose Hype

Schneller, höher, weiter – müssen wir jedem Hype hinterherlaufen?

Hypes sind kein Alleinstellungsmerkmal des digitalen Zeitalters. Bereits in den 1630er Jahren erlebten die Niederlande die sogenannte Tulpenmanie, welche im Februar 1637 in eine regelrechte Finanzkrise mündete. Dieser Hype lässt sich, wie andere Modeerscheinungen auch, nicht allein damit begründen, dass das aufstrebende niederländische Bürgertum eben gern Tulpen züchtete. Hypes sind etwas Immaterielles und ziehen ihre Bedeutung aus Ideen, nicht aus Tatsachen.

Clubhouse – oder wie erzeuge ich den Eindruck von „Exklusivität“?

Das Phänomen des Audio Social Networks „Clubhouse“ ist ebenso wenig neu wie innovativ. Sowohl die berühmten englischen Clubs als auch die Pariser Salons des 19. Jahrhundert beruhten auf Networking, den „richtigen“ sozialen Kontakten und Wortwitz. Wer es verstand, sich während des „Fin de Siècle“ in Paris auf auffällige und humorvolle Weise in Szene zu setzen, wurde nicht selten von wichtigen Persönlichkeiten der städtischen Oberschicht eingeladen, sich in ihren „Salons“ auf geistreiche Art zu beweisen. Nichts anderes versucht „Clubhouse“ nachzuahmen. Das ist natürlich legitim, mitunter auch interessant und abwechslungsreich, aber weder neu noch rechtfertigt diese Idee einen derartigen Hype.

Der Gedanke der Exklusivität wirkt für jeden, der eine Einladung erhält, natürlich verlockend. Der Eindruck von Einzigartigkeit und gehobenem Niveau der Gesprächsrunden verstärkt diesen Anschein zusätzlich. Es gilt allerdings zu bedenken, dass durch den Ausschluss des Großteils der Internet-Nutzer keine Öffentlichkeit entstehen kann. Das kann erwünscht sein oder nicht, eine Entwicklung in Richtung Offenheit und Transparenz ist diese Vorgehensweise nicht.

Seltsam gegenläufig verhält es sich mit dem Datenschutz bei „Clubhouse“. Vergleicht man die öffentliche Debatte um den Schutz der Privatsphäre bei der Corona-Warn-App mit der Diskussion über die Datenschutzrichtlinien bei „Clubhouse“ wird man schnell feststellen, dass es hierzu keine Debatte gibt, obwohl „Clubhouse“ sogenannte Schattenprofile von Usern erstellt und Mitschnitte der Gesprächsrunden speichert. Durch den Hype fällt diese Seite von „Clubhouse“ vollkommen unter den Tisch.

Was ist nun ein Hype?

Wikipedia versteht unter einem Hype „aufgebauschte und übertriebene“ Informationen. Selbst wenn man davon ausgeht, dass ein Phänomen grundsätzlich interessant oder innovativ sein kann, ist es in der Regel kontraproduktiv für dessen Dauerhaftigkeit, dieses Phänomen bedeutender darzustellen als es in Wirklichkeit ist. Das liegt daran, dass eine Idee an sich zwar begeistern kann, aber ihre tatsächliche Anwendung und Nutzung im Alltag schnell Verschleißerscheinungen aufweisen wird, wenn der Grundgedanke der Idee verletzt wird.

Viele durchaus positive Einstellungen wie Ernährungsbewusstsein, sportliche Aktivitäten, Altruismus und Solidarität werden häufig auf eine sehr reißerische Art und Weise präsentiert. Die Art der Präsentation, nicht die Idee an sich, führt dann dazu, dass viele Menschen, die erst einmal positiv auf eine Veränderung reagieren würden, sich von der Idee abwenden, weil sie sie als bevormundend empfinden. Leider ist dies auch bei einem Hype wie „Clubhouse“ der Fall. Da durch die übertriebene Darstellung nicht mehr ersichtlich ist, welcher Gedanke hinter solch einem Projekt wirklich steht, verliert die App an Attraktivität.

Ideen sind ein wichtiger Baustein hin zu mehr Innovation und Aufgeschlossenheit gegenüber Veränderungen. Doch müssen diejenigen, die die Begeisterung für solche Ideen nutzen wollen, immer berücksichtigen, dass Ideen nur dann Bestand haben, wenn ihre Umsetzung die Idee an sich nicht konterkariert.

Warum Hypes kein Zeichen für Qualität sind

Um die Güte eines Produktes zu erkennen, braucht man in der Regel ein wenig Geduld und viele Informationen. Aus diesem Grund existieren Probefahrten, Rückgabemöglichkeiten und Garantiefristen. Innerhalb dieser Zeitspannen lassen sich die meisten Güter so gründlich untersuchen, dass der Verbraucher oder Nutzer feststellen kann, ob das Produkt seinen Erwartungen entspricht.

Gleiches gilt für die Herstellung eines Guts. Je intensiver sich ein Produzent mit einem Produkt beschäftigt, desto höher ist dessen Qualität. Im Fall von Wein, Whiskey und anderen Waren, die in der Produktion sehr zeitintensiv sind, entscheidet daher der Zeitraum, der für die Herstellung eines Produkts benötigt wurde, über den Preis desselben.

Das wichtigste Kriterium für Qualität ist also die Zeit. Hypes dagegen sind Zeitvernichter. Hypes leben davon, alles unmittelbar in die Tat umzusetzen. Um auf keinen Fall „zu spät zu kommen“, bilden sich vor Apple Stores lange Schlangen. Ob dieser Drang, jedem Impuls umgehend nachzugeben, ein Merkmal für Qualität ist? Die Frage wäre angebracht, was man denn verpasst, wenn man nicht mitmacht?

Zurückhaltung bringt Übersicht

Manchmal kann es hilfreich sein, eine Sache erst einmal auf sich beruhen zu lassen und abzuwarten. Nicht nur im Fall von „Clubhouse“. Viele Ideen, die auf den ersten Blick unglaublich aufregend wirken, sind bei genauerer Betrachtung eher altbacken oder viel zu nervenaufreibend verglichen mit dem Nutzen, den man aus ihnen ziehen kann. Für Menschen, die Ideen lieber erst einmal auf den Grund gehen wollen, lohnt es sich daher in vielen Fällen, erst einmal eine abwartende Haltung gegenüber bestimmten Hypes einzunehmen. Diese Perspektive ist nicht nur erheblich stressfreier, sondern erspart einem unter Umständen, einem Zeitfresser ohne großen Nutzen oder Sinn aufgesessen zu sein. Wenn die Idee sich bei genauerem Hinsehen als gewinnbringend erweist, ist es immer noch früh genug, um endlich auch „mitzumachen.

FAZIT

Exklusivität erscheint vielen Menschen als erstrebenswert. Ein Hype ist jedoch definitionsgemäß bereits das Gegenteil von Exklusivität. Exklusivität beruht nämlich darauf, dass etwas nicht gehypt wird. Denn ein Hype ist immer ein Massenphänomen – auch wenn er vorgaukelt, qualitativ hochwertig zu sein.

Qualität entsteht durch Zeit. Alle hochwertigen Produkte oder Events benötigten bei der Herstellung oder Vorbereitung einen längeren Zeitraum. Hypes hingegen leben von der Schnelllebigkeit. Es herrscht der Eindruck, etwas zu verpassen, sollte man nicht unmittelbar auf den aktuell wichtigsten Zug aufspringen. Mit dieser Lebensart lässt sich das Prinzip von Qualität und Exklusivität nicht verbinden.

Um echte Innovation von aufgebauschten alten Ideen zu unterscheiden, braucht es ebenfalls Zeit und das Bewusstsein dafür, dass die wenigsten „Neuerungen“ wirklich neu sind. Alte Ideen in ein neues Gewand zu kleiden, ist sicher nützlich und in den meisten Fällen vielleicht sogar sinnvoll, rechtfertigen allerdings weder den Zeit- noch den sozialen Druck, der mit einem Hype einhergeht.

Aus diesem Grund darf man gern auch mal einen Hype an sich vorbeiziehen lassen, ohne daran teilzuhaben. Die Gefahr, dabei etwas Großartiges zu verpassen, besteht natürlich immer. Allerdings ist es in vielen Fällen ebenfalls mit einem echten Gewinn verbunden, sich einem Massenphänomen zu entziehen – einem Riesengewinn an Zeit, Lebensqualität und Ruhe. Wer das zu schätzen weiß, kann Apps wie „Clubhouse“ getrost bei ihrer Verbreitung zusehen und eines Tages vielleicht doch noch mitmachen, wenn sich gezeigt haben sollte, dass es sich lohnt.

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